Bibliotheken im digitalen Wandel: Von der Buchkarte zum digitalen Nutzerkonto

Autorinnen: Anna Pläp und Tamara Schaufler

Bibliotheken befinden sich im digitalen Wandel – in aktuellen Zeiten von Corona mehr denn je.  Dass viele Publikationen online verfügbar sind, wir unsere Medien am Verbuchungsautomaten selbst ausleihen können und diese über das Internet mit ein paar Klicks verlängern, ist für viele Bibliotheksnutzer:innen der ganz normale Alltag. So wird der digitale Wandel in Bibliotheken meist mit Zukunftsvisionen verbunden. Doch wie viel Digitalisierung von Bibliotheksdiensten gab es in den vergangenen Jahr(zehnt)en bereits, und wie sah es eigentlich früher aus? [1]

Inhaltsverzeichnis

Buchkarten und Katalogkarteien – konventionelle Ausleihverfahren

Manch eine:r erinnert sich noch daran: bevor digitale Ausleihsysteme Einzug in die Bibliothekswelt erhalten haben, gestaltete sich das Ausleihverfahren analog. Dies war zum Teil mit erheblichem Aufwand verbunden.

Hierzu gab es verschiedene Vorgehensweisen:

Die Buchkarte

Jedes ausleihbare Buch im Bestand der Bibliothek hatte eine Buchtasche an der vorderen oder hinteren Innenseite des Buchdeckels eingeklebt. Darin befand sich eine Buchkarte, auf der Signatur, Verfasser:in und Titel des Buches vermerkt waren. Ein Großteil der Karte war frei für die Eintragung der Nutzernummer und ggf. Fristdaten des Entleihenden. Wollte man es ausleihen, ging man zur Leihstelle der Bibliothek, wo durch eine:n Mitarbeiter:in die Nutzernummer und teilweise der Name der entleihenden Person auf die Buchkarte eingetragen wurde. Diese wurde anschließend nach Rückgabedatum in die sogenannte Fristkartei einsortiert. Auf dem Vorsatzblatt oder dem Rückcover des Buches gab es ein Fristblatt, worauf das Rückgabedatum gestempelt wurde. [2]

Für die Bibliotheksmitarbeiter:innen ergab sich somit der Aufwand, die Fristkartei regelmäßig manuell zu überprüfen. Waren Leihfristen überschritten, haben sie die Mahngebühren manuell erstellt. Verlängerungswünsche musste man als Kund:in für jedes Buch persönlich vortragen, um die Leihfrist anpassen zu lassen.

Leihscheine

Für die Ausleihe eines Buches hat der Entleihende einen Leihschein ausgefüllt. Dieser bestand in der Regel aus drei Teilen, in einigen Bibliotheken fand er zweiteilig Anwendung. Der erste Abschnitt (Stammabschnitt) enthielt die Daten des Bestellenden sowie Titel und Verfasser:in des Buches. Die beiden weiteren Abschnitte, der Kupon und der Löschabschnitt enthielten die Signatur des Buches und die Benutzernummer des Entleihenden. Bei zweiteiligem Leihschein entfiel der Löschabschnitt.

In der Leihstelle der Bibliothek gab es zwei Karteien: die Benutzerkartei und die Kuponkartei. Die Benutzerkartei war nach Namen oder Benutzernummer aufgestellt. Hier wurden der Stammabschnitt und der Löschabschnitt, gestempelt mit der Leihfrist, einsortiert. Die Kuponkartei war nach Signaturen aufgestellt, sodass anhand dieser festgestellt werden konnte, bei welchem Entleihenden sich ein bestimmtes Buch befindet.

Der Löschabschnitt kam bei der Rückgabe des Buches zum Einsatz. Anhand dieses Abschnitts wurde der Kupon aus der Kuponkartei gezogen. Den Stammabschnitt erhielt der Entleihende des Buches als Rückgabequittung.

Gab es keinen Löschabschnitt, wurde der Kupon anhand der Bücher selbst gezogen. Mitunter gab es keine Kuponkartei, folglich verblieb der Kupon als Repräsentant im Regal an der jeweiligen Stelle des Buches. [3]

Kartenkataloge

Erste Kartenkataloge (auch Zettelkataloge genannt) mit einfachsten Mitteln gab es bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Kartenkataloge, wie wir sie heute teilweise noch kennen, gab es seit Anfang der 1930er Jahre. [4]

Es gab teilweise mehrere Kartenschränke, in denen für jedes Buch im Bestand der Bibliothek eine Karte mit den bibliografischen Angaben lag. Diese wurde mit Hilfe einer Schreibmaschine angefertigt und teilweise handschriftlich ergänzt. Für die Recherche darin konnte nach Verfasser:in, Titel, Schlagwort, Standort (=Signatur) oder Regionen gesucht werden. Natürlich gab es für jede dieser Optionen einen eigenen Kartenschrank mit entsprechenden Karten. Für ein Buch gab es also mehrere Karten.

Viele Bibliotheken haben ihre Kartenkataloge digitalisiert, sodass darin weiterhin nach Altbestand gesucht werden kann.  Zwar sind die Daten zum Teil in digitale Datenbanken eingespielt worden, aufgrund der Vielzahl an Datensätzen jedoch nicht immer vollständig. Beispiele (anklicken, um auf die entsprechende Website zu kommen):

Kartenkatalog der ZBW

Kartenkataloge des Hauses Berliner Stadtbibliothek

SneakPeak Bachelor: IT-Kompetenzen analysieren und klassifizieren

WebLab HsH: Bachelorabiet von Matthias Olbrisch, 2019

In seiner Bachelorarbeit mit dem Titel “Analyse und Klassifikation der hannoverschen IT Kompetenzen in einer variablen Datenbasis” schreibt Matthias Olbrisch (2019) in seinem Abstrakt:

“Die allgemeine Digitalisierung und besonders die IT-Branche in Hannover, stellen Arbeitgeber*innen vor große Herausforderungen. Berufsbezeichnungen im IT-Sektor zeichnen sich im Gegensatz zu klassischen Berufsfeldern nicht dadurch aus, dass sie vereinheitlicht sind. Unterschiedlichste Berufsbezeichnungen verlangen oftmals identische Kompetenzen. Die Kompetenzen und Fähigkeiten der Arbeitnehmer*innen stehen ebenso immer mehr im Fokus der Arbeitgeber*innen, wie die Bereitschaft der permanenten Weiterbildung.

Zielgebend der vorliegenden Abschlussarbeit ist eine Datenbasis zu liefern, die den Anspruch hat, die bereits beschriebenen Herausforderungen zu analysieren und zu klassifizieren. Zunächst ist daher eine Klassifikation, der auf dem hannoverschen Jobmarkt gesuchten IT-Kompetenzen, zu erstellen. Vorbereitend wird eine Marktanalyse angefertigt, die sowohl Jobsuchmaschinen auf ihre Kompetenzorientierung als auch IT-Kompetenzklassifikationen untersucht.

Die erstellte Klassifikation bildet anschließend die Grundlage für das Kompetenzmatching zwischen Klassifikation und den Kompetenzen, die hannoversche IT-Studierende erlernen, um zu verdeutlichen, in welchen Kompetenzen Weiterbildungsbedarf besteht. Die entstandene Datenbasis wird in einer MySQL Datenbank präsentiert, um eine möglichst flexible Verwendung und Weiterentwicklung des Datenbestands zu ermöglichen.”

Die Bachelorarbeit von Matthias ist Teil unseres Forschungsprojekts nITo (Nutzerzentrierte IT-Kompetenzoptimierung). Sie wurde vorbildlich über SerWisS veröffentlicht und ist als Volltext zu finden unter:

https://doi.org/10.25968/opus-1562