Künstliche Intelligenz in Filmen

Autor*innen: Angelique Pál und Dennis Schmidt


Wie wird die zukünftige Welt aussehen? Das ist eine Frage mit der die Menschheit sich oft auseinandersetzt und die auch in Filmen immer wieder aufgegriffen wird. Häufig spielt dabei Künstliche Intelligenz in Filmen eine Rolle. In vielen Fällen werden Maschinen dargestellt, welche mit Künstlicher Intelligenz oder kurz KI ausgestattet, ihre Schöpfer irgendwann unterwerfen. Aus Science Fiction Filmen sind Roboter dieser Art längst nicht mehr wegzudenken, doch die technischen Voraussetzungen dafür existieren in der realen Welt (noch) nicht.

Inhaltsverzeichnis

 

Künstliche Intelligenz in der Wissenschaft

Im Jahr 1956 wurde der Begriff „Artificial Intelligence“ also Künstliche Intelligenz von einer kleinen Gruppe Wissenschaftlern, die sich am Dartmouth College in den USA trafen, eingeführt. Dieser Workshop, der auch als „Dartmouth Conference“ bezeichnet wird, gilt als die Geburtsstunde der KI (vgl. Siekmann 1994, S. 20). Doch schon fünf Jahre vorher hat Alan Turing einen Test entwickelt, nachdem beurteilt werden kann, ob ein Computersystem „intelligent“ ist oder nicht. Bei diesem Test, den Turing „The Imitation Game“ nannte, wird mit Hilfe natürlicher Sprache getestet, ob ein Computersystem so kommunizieren kann, dass es von einem Menschen nicht mehr zu unterscheiden ist (vgl. Manhart 2022).

Alan Turing (ca. 1938)

Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz in Medien

Auch schon bevor es die uns heute bekannte Künstliche Intelligenz gab, wurde sich in früheren Medien mit dem Thema der lebendigen Maschine auseinandergesetzt. So wurde der Begriff der Maschine im deutschsprachigen Raum schon etwa seit dem 17. Jahrhundert verwendet und findet sich so auch im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm aus dieser Zeit. Hier wurde die Maschine noch als etwas Lebloses, synthetisches mit einem Artefakten-Charakter beschrieben (vgl. Brössel 2021, S. 28). Außerdem befindet sich eine frühe Darstellung von künstlicher Intelligenz auch in dem Werk „Die Automaten“ von E.T.A Hoffmann aus dem Jahr 1814 , in dem eine mechanische Puppe beginnt Fragen von Menschen zu beantworten (vgl. Brössel 2021, S. 27).

Der Beginn von Künstlicher Intelligenz in Filmen

Mit der Erfindung von Filmen verlagerte sich das Thema der lebendigen Maschine auch immer mehr ins Kino und Fernsehen. Eine frühe Darstellung von Künstlicher Intelligenz in Filmen ist z. B. die Verfilmung des Science-Fiction-Romans Metropolis. Der gleichnamige Stummfilm erschien im Jahre 1927 und zeigt eine düstere Zukunft, in der Menschen von Androiden unterdrückt werden. Für den damaligen Stand der Filmtechnik war der Film visuell sehr eindrucksvoll und zeigte unter anderen Aufnahmen von riesigen Häuserschluchten, großen Maschinen und fortschrittlichen Verkehrsmitteln. Auch beeinflusste Metropolis spätere Filme wie Blade Runner oder Matrix stark (vgl. Schreiner 2022).

Trailer zu Metropolis (1927)

Terminator und Ex Machina

Eine Filmreihe, die sich mit einer düsteren Zukunft für die Menschheit auseinandergesetzt, ist Terminator. Der große Erfolg der Terminator Filme prägt bis heute unser Bild von künstlicher Intelligenz und Robotern. Bei der in den Terminator Filmen dargestellten KI handelt es sich stets um eine bösartige Super-KI und Killer-Roboter, die als einziges Ziel die Auslöschung der Menschheit haben (vgl. Schreiner 2022). Mit aktuell 6 Filmen, welche in den Jahren 1984 bis 2019 entstanden sind, gehört die Terminator Filmreihe zu einer der bekanntesten, welche sich mit den negativen Seiten und Folgen von Künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Auch der Film Ex Machina aus dem Jahr 2015 behandelt das Thema der künstlichen Intelligenz und setzt sich unter anderem mit der Frage auseinander, was Bewusstsein ist und ob eine Maschine ein Bewusstsein haben kann (vgl. Schreiner 2022).
Eine Besonderheit von Ex Machina ist hierbei, dass die Künstliche Intelligenz in diesen Film nicht primär als Böse dargestellt wird, wie es z.B. in Terminator und vielen anderen Filmen der Fall ist. Sondern das in diesem Werk der Zuschauer dazu ermutigt wird, über das menschliche Wesen, menschliche Züge und die Frage, was einen Menschen von einer Künstlichen Intelligenz unterscheidet, nachzudenken (vgl. Mehnert 2016).

Filme über Künstliche Intelligenz (KI)

  • Blade Runner (1982)
  • Tron (1982)
  • Terminator (1984)
  • Matrix (1999)
  • I,Robot (2004)
  • Transcendence (2014)
  • Ex Machina (2014)
  • Avengers: Age of Ultron (2015)
  • Blade Runner 2049 (2017)
  • I am mother (2019)
  • Free Guy (2021)
  • Ich bin dein Mensch (2021)

 

Weltherrschaft der Maschinen?

Künstliche Intelligenz in Filmen begegnet uns häufig, aber in den seltensten Fällen wird die Handlung des Films durch sie positiv beeinflusst. Entweder sind sie nur „kindliche Maschinen“ als Nebendarsteller, wie z.B. C-3PO oder aber die Künstliche Intelligenz unterjocht die Menschheit und strebt die Weltherrschaft an, wie die Superintelligenz in „I, Robot“. Doch trotz all der Forschung auf dem Gebiet der KI sind solche, in ihrem Handeln flexible Maschinen, nach heutigem Stand, nicht realistisch (vgl. Lenzen 2020, S.119).

KIs werden in hochspezialisierten Gebieten eingesetzt, in denen sie die Leistung, die ein Mensch erbringen könnte, teilweise heute schon übertreffen. Diese Art Künstliche Intelligenz nennt man schwache KI, da sie nur für eine bestimmte Aufgabe erschaffen wurde. Sobald man dieser KI komplexere Aufgaben stellt, würde sie scheitern. Im Gegensatz zu dieser schwachen KI gibt es noch die starke KI, die ähnlich wie ein Mensch, flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren kann (vgl. zu diesem Abschnitt Volland 2018, S.14).

Doch starke Künstliche Intelligenz existiert bis heute (noch) nicht. Es gibt die unterschiedlichsten Aussagen von Wissenschaftlern, ob und wann diese starke Künstliche Intelligenz tatsächlich entwickelt werden könnte. Dabei schwanken die Aussagen zwischen 20 und 200 Jahren oder auch nie (vgl. Lenzen 2020, S. 120). Zumindest können wir starke Künstliche Intelligenz in Filmen weiterhin bewundern. Im folgenden Abschnitt könnt ihr euer Wissen über KIs in Filmen testen. Viel Spaß!

Quiz

Quellen

Brössel, Stephan (2021): Die Anthropologie der Goethezeit und Automaten:
Ein diskursanalytischer Aufriss und eine exemplarische Analyse
von E. T. A. Hoffmanns Die Automate (1814). In: Irsigler, Ingo u.a. (Hg.): Roboter, Künstliche Intelligenz und Transhumanismus in Literatur, Film und anderen Medien. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, S. 27 – 44

Lenzen, Manuela (2020): Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken. Originalausgabe. München: C.H.Beck

Manhart, Klaus (2022): Eine kleine Geschichte der Künstlichen Intelligenz. Online unter https://www.computerwoche.de/a/eine-kleine-geschichte-der-kuenstlichen-intelligenz,3330537,2 [Abruf am 15.12.22]

Mehnert, Ann-Kristin (2016): „Ex Machina“ (2015). Philosophische Betrachtungen über das (Selbst-) Bewusstsein im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Online unter https://www.grin.com/document/322981 [Abruf am 26.12.2022]

Schreiner, Maximilian (2022): Filme über Künstliche Intelligenz: Sieben Meilensteine der KI-Filmgeschichte. Online unter https://the-decoder.de/beste-filme-kuenstliche-intelligenz/ [Abruf am 04.01.2023]

Siekmann, Jörg (1994): Künstliche Intelligenz: Von den Anfängen in die Zukunft. In: Cryanek, Günther; Coy, Wolfgang (Hg.): Die maschinelle Kunst des Denkens. Braunschweig: Vieweg, S. 11-41

Volland, Holger (2018): Die kreative Macht der Maschinen. Warum Künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken. 1. Auflage. Weinheim: Beltz

Der Einsatz von Spracherkennungssoftware und ihre Grenzen in der Forensischen Linguistik

Autorin: Kimberley Stips

Alexa, wer hat versucht, uns zu erpressen?
Ganz so leicht ist es dann doch nicht. Die Forensische Linguistik ist eine kriminalistische Hilfswissenschaft, die sich mit Sprache im gerichtlichen Kontext beschäftigt. Dazu zählen sowohl die vor Gericht verwendete Sprache wie auch beispielsweise die Autoren- und Sprechererkennung (Fobbe, S. 15 f.). Oder, um es mit den Worten von Patrick Rotter, selbst in der Forensischen Linguistik tätig, zu sagen: „Für uns Sprachprofiler ist Sprache in erster Linie Identität. Egal ob gesprochen oder geschrieben. Sie ist ein Teil von uns.“ (Rotter, S. 15)
Um Identität(-sfindung) soll es in diesem Beitrag gehen – und um die Frage, wie sehr die Künstliche Intelligenz (KI) in diesem Bereich Ermittler*innen entlasten oder vielleicht sogar ersetzen kann.

Entwicklung der Spracherkennung

Der Versuch, Sprache mittels Computern zu analysieren und zu erkennen, ist nicht neu:

Zeitleiste: Meilensteine der computergestützten Spracherkennung

Was aber, wenn es nicht nur darum geht, kurze Nachrichten in Text zu verwandeln, sondern etwa herauszufinden, wer eine anonyme Drohbotschaft versendet hat? In den letzten Jahren gab es mehrere Studien dazu, von denen ich hier zwei vorstellen möchte.

Software & Audioerkennung

Mit Spracherkennung von komplexeren Audiodateien hat sich unter anderem Franz Bellmann in seiner Bachelorarbeit beschäftigt: er testete sechs frei verfügbare Softwares auf die Eignung zur Transkription von Audiodateien (mit verschiedenen Längen, in verschiedenen Sprechgeschwindigkeiten und mit und ohne Dialekt) in einem polizeilichen Kontext (Bellmann, S. 23). Wie seinen Schlussfolgerungen zu entnehmen ist, haben alle benutzten Programme Schwierigkeiten bei der Worterkennung, Google Web Speech API hat sich am besten geschlagen (Bellmann, S. 47). Doch selbst diese beste Alternative hat immer noch eine Fehlerrate von ca. 30%(!) bei der Transkription (Bellmann, S. 44).

Software & Textzuordnung

Manuel Dorobek untersuchte in seiner Masterarbeit 2021 ein ähnliches Projekt, aber auf geschriebene Texte bezogen: kann die KI im Internet veröffentliche Rezensionen zuverlässig den jeweiligen Autor*innen zuordnen? Er wählte 25 Autor*innen mit jeweils 100 verfassten Texten aus (Dorobek, S. 25), die vom besten Modell mit einer Genauigkeit von 96,4% erkannt wurden (Dorobek, S. 149). Zum Trainieren der KI wurden 60 Vorlagetexte genutzt (Dorobek, ebd.). Zwei Autor*innen voneinander zu unterscheiden, gelang schon mit drei Vorlagen (Dorobek, ebd.). Das sind sehr gute Werte, doch in der echten Welt ist der Kreis der Verdächtigen nicht immer so leicht eingrenzbar. Außerdem kann es sein, dass nicht genug Vergleichstexte vorliegen oder keine Texte in ausreichender Länge – weshalb auch Dorobek selbst zu dem Ergebnis kommt: „Für einen Anwendungsfall in der Praxis sind diese Ergebnisse deshalb mit Vorsicht zu betrachten.“ (Dorobek, ebd.)

Fazit

KI kann also bisher beim geschriebenen Wort besser unterstützen als beim gesprochenen. Bis die Technik weit genug entwickelt ist, um gerichtsfeste Ergebnisse zu liefern – denn immerhin geht es hier auch um Straftaten und die Frage, ob Menschen ins Gefängnis kommen! – wird also noch einige Zeit vergehen. Bis dahin gilt die Einschätzung von Patrick Rotter:

„Unsere Lebensleistung an Wort und Text ist schlicht nicht zu erfassen. Und dank der zwangsläufigen Veränderungen auch nicht in starre Muster zu packen. […] Keine künstliche Intelligenz dieser Welt ist in der Lage, sämtliche Dialekte, feinste Nuancen und die ständigen Veränderungen in der Sprache zu begreifen.“ (Rotter, S. 40)

Quellen

Fobbe, Eilika (2011): Forensische Linguistik. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag
Rotter, Patrick (2021): Die geheimen Muster der Sprache. 3. Auflage, München: Redline-Verlag
Bellmann, Franz (2020): Prototypische Systemintegration und Evaluation von Open Source Sprachmodellen zur automatischen Spracherkennung gesprochener deutscher Texte. Online-Ressource, abrufbar unter BA Bellmann
Dorobek, Manuel (2021): Automatisierte Autorschaftsanalyse in der deutschen Sprache mittels forensischer Linguistik. Online-Ressource, abrufbar unter MA Dorobek
Bildquelle: Wedekind, Kai: HTML 5 Speech Recognition API. Online abrufbar unter *iYxrR4zaECeQ5AgSq3jy_A.png
Beitragsbild: mohammed_hassan auf Pixabay. Online abrufbar unter https://pixabay.com/images/id-7620463/

Search Engine Optimization und was das mit verschiedenfarbigen Hüten zu tun hat

Autorin: Magdalena Sinsel

Im folgenden Artikel erfahren Sie, was Search Engine Optimization ist, warum das für jeden Host einer Website von Bedeutung ist und was das mit weißen, schwarzen und grauen Hüten zu tun hat. Viel Vergnügen!

Inhaltsverzeichnis

Was ist Search Engine Optimization?

Search Engine Optimization, kurz SEO, umfasst alle Maßnahmen, die zu einem besseren Ranking einer Website innerhalb der organischen Suchergebnisse von Google, Bing und Co. führen (vgl. Kohring 2022, S. 10). Organische Suchergebnisse sind dabei die „kostenlosen“ Treffer auf der Search Engine Result Page (SERP), die nicht über Anzeigenformate wie Google Ads oder Google Shopping generiert werden (vgl. Searchmetrics 2022a).

Ein gutes Ranking verschafft eine bessere Sichtbarkeit und eine höhere Reichweite. Dass Treffer, die nicht unmittelbar auf der ersten Ergebnisseite angezeigt werden, von Nutzer*innen angeklickt werden, ist schließlich eine Rarität (vgl. Kohring 2022, S. 10-11). Durch SEO sollen deshalb häufig auch der Bekanntheitsgrad der eigenen Marke, der Marktanteil und/oder der Umsatz gesteigert werden (vgl. Searchmetrics 2022b).

Die Maßnahmen, die zur Suchmaschinenoptimierung eingesetzt werden können, sind sehr vielfältig. Man unterscheidet dabei zwischen White-Hat- und Black-Hat-Methoden. In den folgenden Abschnitten können Sie mehr darüber erfahren.

Was versteht man unter White-Hat-SEO?

Marion Davies portraitiert von Hamilton King 1920
Quelle: Wikimedia Commons (public domain)

Definition

White-Hat-SEO orientiert sich an den Richtlinien, die Suchmaschinenanbieter für SEO-Maßnahmen vorgeben (vgl. Searchmetrics 2022b). Auf der Entwickler-Plattform „Google Developers“ hat Google beispielsweise einen umfassenden „Startleitfaden“ zur Umsetzung von Suchmaschinenoptimierung veröffentlicht.

Erlaubt ist in der Regel, was einen technischen oder inhaltlichen Mehrwert bietet, den Nutzerkomfort steigert und ethisch unbedenklich ist (vgl. Google 2022). Eine Manipulation der Suchergebnisse, die Suchmaschine oder User*innen in die Irre führen soll, hingegen ist nicht zulässig (vgl. SEO Küche 2022). Die User Experience hat bei Google und Co. mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert, deshalb wird im Zusammenhang mit Search Engine Optimization manchmal auch von „Search Experience Optimization“ gesprochen (Searchmetrics 2022b). Es gilt der Grundsatz, dass eine Website nicht für Suchmaschinen, sondern für Nutzer*innen optimiert werden sollte (vgl. SEO Küche 2022).

Beispiele

  • Verwendung von qualitativ hochwertigen und einzigartigen Inhalten
  • Verbesserung der Navigation innerhalb der Website
  • technische Fehler beheben
  • Ladezeiten verkürzen
  • Optimierung der Metaangaben
  • natürliches Linkbuilding: ein besseres Ranking kann erreicht werden, wenn andere Websites auf die eigene Website verlinken – man spricht dabei auch von sogenannten „Backlinks“; „natürlich“ heißt in diesem Zusammenhang, dass die Verlinkungen nicht durch Linkkauf oder das Posten von Spam-Links in Foren, Blogs o.ä. erreicht werden

Vorteile

  • langfristiger Erfolg
  • ethisch unbedenklich
  • eine bessere User Experience sorgt neben einem besseren Suchmaschinenranking auch für eine bessere Kundenbindung
  • ist im Einklang mit den Guidelines der Suchmaschinenanbieter, wird von ihnen nicht abgestraft

Nachteile

  • hoher Aufwand, komplex in der Umsetzung
  • benötigt Geduld
  • dauerhafte Aufgabe (ständiges Monitoring, Analyse und erneute Anpassungen sind notwendig, damit der Erfolg anhält)

Was versteht man unter Black-Hat-SEO?

Portrait einer Dame von Hans Baldung Grien um 1530
Quelle: Museo Thyssen-Bornemisza Madrid,
CC BY-NC-ND

Definition

Als Black-Hat-SEO bezeichnet man Methoden der Suchmaschinenoptimierung, die gegen die Guidelines der Suchmaschinenanbieter und/oder gegen ethische Grundsätze verstoßen (vgl. Pollitt 2020). Die Verwendung von Black-Hat-SEO kann zu einem schnellen Erfolg führen, dieser Erfolg ist in der Regel aber nur von kurzer Dauer (vgl. OSG Team 2018). Wenn die Anwendung von Black-Hat-Methoden von Suchmaschinen bzw. deren Algorithmen erkannt wird, werden die entsprechenden Websites mit einem schlechten Ranking bestraft oder sogar komplett aus dem Index der Suchmaschinenanbieter entfernt (vgl. Pollitt 2020). In extremen Fällen können sogar rechtliche Konsequenzen drohen (vgl. Searchmetrics 2022b).

Auch Taktiken, die aktuell nicht explizit von den Suchmaschinen verboten sind, können zukünftig von Bestrafungen betroffen sein. Googles Algorithmen werden kontinuierlich weiterentwickelt. Die Bekämpfung von Spam-Content wurde beispielsweise durch das Panda Update und das Penguin Update verbessert (vgl. Ryte 2021). Eine Verwendung von Black-Hat-Methoden ist aufgrund der ethischen Fragwürdigkeit und drohenden Strafen also nicht empfehlenswert.

Beispiele

  • Cloaking: Nutzer*innen und Suchmaschine werden unterschiedliche Versionen einer Website angezeigt
  • Hidden Text: Text wird so auf der Website platziert, dass er von Suchmaschinen beim Crawling erkannt wird, aber für Nutzer*innen unsichtbar ist (z.B. Schrift und Hintergrund im gleichen Farbton)
  • Keyword Stuffing: übermäßige Verwendung eines Keywords in Text, Überschrift etc. ohne inhaltliche Relevanz
  • Linkkauf: Betreiber*innen anderer Websites werden dafür bezahlt, dass sie auf die eigene Website verlinken

Vorteile

  • schnelle Erfolge
  • weniger komplex und kostengünstiger als White-Hat-SEO

Nachteile

  • unethisch
  • Erfolg nur von kurzer Dauer
  • wird langfristig von Suchmaschinen durch ein schlechtes Ranking oder komplettes Entfernen aus dem Index abgestraft
  • kann dem eigenen Ruf langfristig schaden

Was versteht man unter Grey-Hat-SEO?

Auf der Eisbahn, unbekannter Künstler um 1910
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek, CC BY-NC-SA 4.0

Grey-Hat-SEO ist im Grunde genommen alles, was zwischen White-Hat- und Black-Hat-SEO liegt – Maßnahmen, die nicht explizit von Suchmaschinenanbietern verboten sind, aber vielleicht ethisch grenzwertig oder nur eine leichte Abwandlung von bekannten Black-Hat-Instrumenten sind. Teilweise wird unter dem Begriff auch die Kombination von White- und Black-Hat-Methoden verstanden. Eine genaue Auflistung von Grey-Hat-Maßnahmen ist schwierig, weil sowohl der Übergang zwischen White Hat und Grey Hat als auch zwischen Grey Hat und Black Hat oftmals fließend ist (vgl. für diesen Absatz Pollitt 2020).

SEO-Experten sind sich uneinig darüber, ob die Anwendung von Grey-Hat-SEO empfehlenswert ist. Einige betonen die Unsicherheit, die mit Grey-Hat-Methoden einhergeht, da es keine Garantie dafür gibt, dass deren Verwendung nicht zukünftig von Google oder anderen Suchmaschinen abgestraft wird (vgl. Ryte 2021). Andere gehen davon aus, dass ein gutes Ranking nicht ausschließlich durch White-Hat-Methoden erreicht werden kann, insbesondere, wenn die Konkurrenz groß ist (vgl. Pollitt 2020).

Woher stammt die Hüte-Terminologie?

Jack Kelly, Kathleen Crowley und Mike Road in der TV-Serie Maverick 1962
Quelle: Wikimedia Commons (public domain)

Die Begriffe White Hat und Black Hat findet man u.a. auch im Zusammenhang mit ethischem oder unethischem Hacken. Ihren Ursprung hat die Terminologie allerdings in der Kostümierung in Westernfilmen. Hier trug der gute Cowboy traditionell einen weißen Hut und der böse Cowboy einen schwarzen (vgl. Pollitt 2020). Für die Zuschauer*innen war so auf einen Blick erkennbar, wer auf welcher Seite steht.

Abschließendes Rätsel


Quellen

Google (2022): Startleitfaden zur Suchmaschinenoptimierung (SEO). Zuletzt aktualisiert am 18.11.2022. Online unter https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/seo-starter-guide/  [Abruf am 26.11.2022]

Kohring, Silvia (2022): 30 Minuten Suchmaschinenoptimierung. Offenbach: Gabal Verlag

OSG Team (2018): White & Black Hat SEO. Zuletzt aktualisiert am 23.04.2018. Online unter https://www.seoagentur.de/seo-handbuch/white-black-hat-seo/ [Abruf am 29.11.2022]

Pollitt, Helen (2020): White Hat vs. Black Hat vs. Gray Hat SEO. What’s the Difference? Zuletzt aktualisiert am 04.05.2020. Online unter https://www.searchenginejournal.com/white-hat-vs-black-hat-vs-gray-hat-seo/365142/ [Abruf am 04.11.2022]

Ryte (2021): Black Hat SEO. Online unter https://de.ryte.com/wiki/Black_Hat_SEO [Abruf am 29.11.2022]

Searchmetrics (2022a): Organic Traffic. Online unter https://www.searchmetrics.com/de/glossar/organic-traffic/ [Abruf am 26.11.2022]

Searchmetrics (2022b): Suchmaschinenoptimierung. Online unter https://www.searchmetrics.com/de/glossar/suchmaschinenoptimierung/ [Abruf am 01.11.2022]

SEO Küche (2022): White Hat SEO. Zuletzt aktualisiert am 23.09.2022. Online unter https://www.seo-kueche.de/lexikon/white-hat-seo/ [Abruf am 26.11.2022]

Beitragsbild: Pch.vector auf Freepik

Der Mobility Compass: Auf dieses Tool haben wir gewartet!

Mobility Compass FID move

Autorin: Lena-Marie Hoppe


Man plauscht auf dem Flur, beredet in der Teeküche Neuigkeiten aus dem Fachbereich und arbeitet natürlich gemeinsam an Projekten: Der (zum Glück nicht mehr nur virtuelle) Kontakt mit Kolleg:innen aus dem eigenen Institut oder der Fakultät ist eine Selbstverständlichkeit für Forschende. Doch wie wäre es, sich mit nur wenigen Klicks mit mehr als 300 000 Expert:innen aus der eigenen Disziplin vernetzen zu können? Wie wäre es, blitzschnell Spezialist:innen für isländische Verkehrsdaten finden zu können? Oder solche für Straßenschild-Design in Deutschland? (Das wären übrigens 18 Personen.) Wenn es doch nur ein praktisches Tool dafür geben würde …

Auftritt: Der Mobility Compass!

Wir – das sind die Teilnehmenden der Veranstaltung Recherche wissenschaftlicher Informationen – durften bei einer Exkursion zur Technischen Informationsbibliothek (TIB) einen umfangreichen Einblick in den FID move erhaschen. Mathias Begoin, der zur Leitung des FID an der TIB gehört, hat uns dabei auch eben jenes Vernetzungswerkzeug vorgestellt, das die Auffindbarkeit von Forschenden des Verkehrswesens drastisch erhöht. 

Wie funktioniert der Mobility Compass?

Um es gleich vorweg zu nehmen: super unkompliziert – zumindest für uns Nutzende. Der Mobility Compass wurde von der SLUB Dresden (der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek) im Rahmen des FID move entwickelt. Er beruht auf der Open Source Software VIVO, die Informationen über Forschende und ihre Arbeiten verwaltet und darstellt. Das wiederum  funktioniert über standardisierte Datenformate und verschiedene Ontologien. Das sind, ganz grob gesagt, geordnete Sammlungen von Begriffen eines Themenbereiches und den Beziehungen zwischen ihnen. Mit Hilfe von Ontologien lassen sich also Zusammenhänge und Verknüpfungen darstellen – und das in maschinenlesbarer Form. Doch wie kommen die Daten in den Mobility Compass?

Datengrundlage

Wer forscht und publiziert und sich auch noch um solche lästigen Dinge wie Projektfinanzierung kümmern muss, hat nicht unbedingt Zeit und Lust, jede einzelne Veröffentlichung händisch in zehn verschiedene Datenbanken einzupflegen. Wie gut, dass sich dieser Aufwand drastisch reduziert, wenn die Forschenden eine ORCID iD aufweisen. Mit ihr lassen sich Personen eindeutig identifizieren sowie Arbeiten und Forschungsdaten zuweisen. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die ORCID iD auch mit anderen Systemen verknüpft werden kann. Wäre es nicht fabelhaft, wenn der Mobility Compass einfach auf diese bereits zusammengestellten Informationen in professionell erschlossenen Datenbanken zugreifen könnte?

Natürlich ist das fabelhaft und natürlich tut der Mobility Compass genau das! Neben ORCID gibt es noch elf weitere Datenquellen, aus denen die Daten aktuell bezogen werden. Dazu gehören beispielsweise auch die wissenschaftliche Suchmaschine BASE, die Deutsche Nationalbibliothek aber auch der Verlag Springer Nature. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Transportation Research Thesaurus (TRT). Er beinhaltet das standardisierte Normvokabular, auf dessen Grundlage die Inhaltserschließung der Ressourcen erfolgt.

Benutzung des Mobility Compass

„Die frühen 2000er haben angerufen – sie wollen ihr Webseiten-Design zurück.“ Das ist nicht nur der Versuch eines humoristischen Absatzbeginns. Nein, dieser Gedanke kam uns im Seminar Recherche wissenschaftlicher Information öfter, als wir die Benutzeroberflächen so einiger wissenschaftlicher Suchportale sahen. Der Mobility Compass ist mit seinem modernen Design und seiner leichten Bedienbarkeit ein echtes Juwel unter den Webanwendungen.

Screenshot Mobility Compass, FID move: topic graph
Der topic graph zeigt eine Auswahl von Themen und verknüpft solche miteinander, die häufig zusammen erforscht werden. Alternativ kann auch nach Thema, Ort oder Person über die Suchzeile gesucht werden.

Visualisierung wird beim Mobility Compass großgeschrieben! Auf der Startseite werden bereits einige Themen und ihre Verknüpfung untereinander angezeigt. Mit Klick auf das jeweilige Thema wird die Liste relevanter Personen eingeschränkt. Statt nach einem Thema kann die Suche auch geographisch (innerhalb Europas) eingeschränkt werden. Dafür kann die Auswahl über die Karte oder über die Suchzeile erfolgen. Einfach, unkompliziert und schnell: So mögen wir unsere wissenschaftliche Recherche!

Fazit

Der Mobility Compass ist ein geniales Vernetzungstool, dass das Auffinden von Forschenden aus dem Bereich des Verkehrswesens enorm erleichtert. Der uneingeschränkte Zugang, die einfache Bedienung und aufgeräumte Oberfläche sorgen für schnelle Ergebnisse bei der Suche. Wir können nur hoffen, dass sich andere Fachbereiche in dieser Hinsicht eine Scheibe vom FID move abschneiden. 

Quellen

Mobility Compass (2023): About. Online unter https://www.mobility-compass.eu/?view=about [Abruf am 23.01.2023]

Webis (2021): Mobilitäts- und Verkehrsforschung. Online unter https://wikis.sub.uni-hamburg.de/webis/index.php/Mobilit%C3%A4ts-_und_Verkehrsforschung [Abruf am 23.01.2023]

Buchtipp: Blended learning environments to foster Self-Directed Learning

Blended learning environments to foster Self-Directed Learning

Ein wunderbares und gesundes 2023 allerseits!

Da wir uns hier im WebLab öfter mal mit selbstgesteuertem Lernen befassen, möchte ich heute ein neues Buch zu dem Thema empfehlen:

Blended learning environments to foster Self-Directed Learning

Van der Westhuizen, C., Maphalala, M.C. & Bailey, R. (eds.), 2022, Blended learning environments to foster self-directed learning, NWU Self-Directed Learning Series, Vol. 8, pp. i-306, AOSIS Books, AOSIS Publishing (Pty) Ltd, Cape Town.

Es ist auf Englisch verfasst und über Open-Access frei verfügbar als pdf.

Synopsis

This book on blended learning environments to foster self-directed learning highlights the focus on research conducted in several teaching and learning contexts where blended learning had been implemented and focused on the fostering of self-directed learning. Several authors have contributed to the book, and each chapter provides a unique perspective on blended learning and self-directed learning research. From each chapter, it becomes evident that coherence on the topics mentioned is established. One of the main aspects drawn in this book, and addressed by several authors in the book, is the use of the Community of Inquiry (CoI) framework when implementing teaching and learning strategies in blended learning environments to foster self-directed learning. This notion of focusing on the CoI framework is particularly evident in both theoretical and empirical dissemination presented in this book. What makes this book unique is the fact that researchers and peers in varied fields would benefit from the findings presented by each chapter, albeit theoretical, methodological or empirical in nature – this, in turn, provides opportunities for future research endeavours to further the narrative of how blended learning environments can be used to foster self-directed learning.

Back Cover

In this book, self-directed learning is comprehensively examined as an indispensable 21st-century skill on the path to successful, lifelong learning in the most diverse facets.

Blended learning environments open the way to the future in order to promote and improve self-directed learning in the long term, taking into account metacognition, differences in socio-economic background and digital capability, among other factors. Since COVID-19, blended learning has gone from being optional to mandatory, so that the need for concepts, strategies and solutions for self-directed learning in blended learning environments has increased immensely.

The book is highly recommended as an introduction to the theory and practice of self-directed learning, but also of particular interest to researchers and teachers experienced in this field. It provides a comprehensive insight into contemporary concepts, challenges and practical solutions with precious experiences. The basics of self-directed learning in blended learning environments are explained in detail and, building on this, new trends and developments are discussed and formulated in a plausible way. The results presented are very well transferable to the international context, as educators and institutions worldwide are certainly in need of assistance and such valuable empirical evidence on precisely these points.

The contributions in this book definitely help to adequately underpin the importance of self-directed learning in science and education and to postulate it as a particularly important prerequisite for success in the 21st century. The diverse teaching strategies and practical examples in the book are an inspiration for lecturers and offer scientific orientation for designing one’s own teaching settings, with a focus on self-directed learning. The promotion of self-directed learning through blended learning scenarios becomes a symbiotic, future-oriented premise in the educational context.

Prof. Dr-Ing. Monika Steinberg, Department of Information and Communication, Faculty 3 – Media, Information and Design, University of Applied Sciences and Arts Hannover, Hannover, Germany

Die Nutzung von interaktiven Videos in Bibliotheken

Autorinnen: Tanja Hoogestraat und Heike Goebel

Beim Surfen im Internet sind wir es gewohnt, eigenständig durch Klicken und Scrollen zu navigieren. Wir bestimmen selbst, welche Treffer bei einer Recherche relevant sind und welche Teile von Websites interessant erscheinen. Wenn jedoch ein Video aufgerufen wird, entwickeln wir uns häufig zu passiven Zuschauern.

Bei interaktiven Videos ist das nicht der Fall! So können zum Beispiel verschiedene Teile des Videos in individueller Reihenfolge oder weiterführende Inhalte durch Verlinkungen aufgerufen werden. Auch zusätzliche Elemente, wie Quizfragen sind möglich.1 Doch wie können Bibliotheken dieses Format für ihre Nutzer*innen einsetzen?

Übersicht

    1. Interaktive Videos in wissenschaftlichen Bibliotheken
    2. Interaktive Videos in öffentlichen Bibliotheken
    3. Abschlussquiz
    4. Quellen

Interaktive Videos in wissenschaftlichen Bibliotheken

Wissenschaftliche Bibliotheken richten ihren Bestand vor allem auf das wissenschaftliche Studium und die Forschung aus. Die Benutzer setzen sich vorwiegend aus Studierenden und Wissenschaftlern zusammen.2 Hier besteht ein großes Interesse an digitalen Lehrangeboten in den Bereichen:

    • Bibliotheksführungen
    • Suchstrategien für das Internet
    • fachspezifische Suchstrategien
    • Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten3

Interaktive Videos sind ein wichtiger Bestandteil des E-Learnings für Studierende, aber auch für anderweitig Interessierte. Die interaktiven Elemente helfen dabei, das Wissen zu erproben und Defizite selbstständig festzustellen.4 Ein Beispiel liefert die Bibliothek Wirtschaft & Management der TU Berlin, welche eine interaktive Bibliothekstour (Einloggen als Gast mit dem Passwort: DBWM) zur Verfügung stellt, um den Studierenden die Bibliothek auf elektronische Weise näher zu bringen.

Interaktive Videos in öffentlichen Bibliotheken

In öffentlichen Bibliotheken können interaktive Videos ebenfalls für Rechercheschulungen oder Bibliotheksführungen genutzt werden. Die Zielgruppen sind jedoch andere. So richten sich Angebote einer Stadtbibliothek an verschiedene Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise an Schulkinder. Deshalb sollten auch interaktive Videos der Büchereien auf diese ausgerichtet und verständlich für sie sein. Folgendes Video erklärt den booleschen Operator UND anhand von einfachen Beispielen:

Erklärvideo zum booleschen Operator UND5

Allerdings enthält das Video keine interaktiven Elemente. Möglichkeiten, diese durch h5p oder andere Tools einzubinden, könnten sein:

    • Zuordnung der grünen Häkchen und roten Kreuze zu den Eigenschaften der Autos
    • Ja/Nein-Fragen oder Multiple Choice, welche Autos zur Anfrage passen
    • Weiterführende Kapitel zu OR oder NOT als Pfad mit Auswahlmöglichkeit integrieren

Bibliotheksführungen durch Rallyes

Anstelle von Bibliotheksführungen können Rallyes konzipiert werden, in denen auch Videos integriert sind. Dafür kann die Anwendung Actionbound genutzt werden, mit der eine Art Schnitzeljagd und das Sammeln von Punkten möglich ist.6 Es können beispielsweise Bounds mit Erklärvideos und anschließenden Aufgaben innerhalb der Bücherei eingebunden werden.7

Das entspricht zwar nicht einem interaktiven Video an sich, hat aber den gleichen Effekt: Es wird sich aktiv mit den Inhalten auseinandergesetzt und die Teilnehmenden können gleichzeitig ihr Wissen überprüfen.

Abschlussquiz

Überprüfen Sie hier Ihr Wissen über den Beitrag. Viel Spaß!

Quellen

1 Lehner, Franz (2011): Interaktive Videos als neues Medium für das eLearning. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Jg. 48, H. 1, S. 51-62. Online unter https://doi.org/10.1007/BF03340549 [Abruf am 28.01.2022]

2 Gantert, Klaus (2016): Bibliothekarisches Grundwissen. 9., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin, Boston: De Gruyter Saur. Online unter https://doi.org/10.1515/9783110321500 [E Book]

3 Laczny, Joachim (2018): E-Tutorials zur Nutzerschulung in Bibliotheken: Stand der Technik und Trends. In: Hermann, Martin; Apel, Joachim (Hg.): Perspektive Bibliothek, Jg. 7, Nr. 2, S. 111-143. Online unter https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bibliothek/article/view/57961/pdf [Abruf am 27.01.2022]

4 Schlottke, Natalie (2021): Die Anwendung des Modells „Komplexitätsstufen von aktivierenden Lernressourcen“ auf die Förderung von Informationskompetenz in deutschen Hochschulbibliotheken. Brake (Unterweser). Online unter https://doi.org/10.25968/opus-1856 [Bachelorarbeit]

5 Reckling-Freitag, Kathrin (2014): Erklärvideo zu „Boole’schen Operatoren“ oder „logischen Verknüpfungen“. Video publiziert von ZwischenSeiten-TV am 14.09.2014 auf YouTube. Online unter https://zwischenseiten.com/2014/09/14/erklarvideo-zu-booleschen-operatoren-oder-logischen-verknupfungen/ [Abruf am 28.01.2022]

6 Nachtwey, Frank (2017): Bibliotheken und mobiles Lernen. Neue Services zur Wissensvermittlung. In: Thissen, Frank (Hg.): Lernen in virtuellen Räumen. Perspektiven des mobilen Lernens. Berlin, Boston: De Gruyter Saur, (Lernwelten) S. 110-124. Online unter https://doi.org/10.1515/9783110501131-008 [E-Book]

7 Zwick, Simon; Lengler, Cynthia; Hamer, Ilka; Güzelmeriç, Annette; Schatz, Eugenie; Wiethoff, Dörthe; Küpper, Florian; Deeg, Christoph (2016): Die Bibliothek spielerisch entdecken mit der Lern-App Actionbound. In: Bibliothek Forschung und Praxis, Jg. 40, Nr. 1, S. 50–63. Online unter https://doi.org/10.1515/bfp-2016-0005

Beitragsbild: Photo by cottonbro on Pexels

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Bild 3: Photo by Redd on Unsplash

Consider to contribute: International Conference on Education Technology Management (ICETM 2022)


The 5th International Conference on Education Technology Management (ICETM 2022)
 will be held in Lincoln, United Kingdom, during December 16-18, 2022.

The conference has added online attendance / presentation for participants in case of you cannot attend the conference.

Call For Papers ICETM2022

The submission deadline is still open until Oct. 15, 2022.

Please consider to contribute.

Student contributions are welcome.

Digitale Leseräume als neuer Ort des Zusammenkommens

Autorinnen: Janina Kuhn und Tanja Masche

Inhalt

Vom digitalen Lesesaal zum virtuellen Begegnungsort
Ein digitaler Raum mit Wonder
Was kann Wonder?
Mit WorkAdventure einen Schritt weiter gehen
Was kostet WorkAdventure?
WorkAdventure in der Bibliothek
Fazit
Quellen und Verweise

Die digitale Transformation ist ein stetiger Wandlungsprozess, die in allen Lebensbereichen stattfindet. Im öffentlichen Leben, im Beruf und im privaten Umfeld schreitet die Digitalisierung voran und macht damit auch vor Bibliotheken nicht Halt.

Vom digitalen Lesesaal zum virtuellen Begegnungsort

Bereits seit längerer Zeit haben Bibliotheken sogenannte digitale Lesesäle in ihrem Angebot. Hinter dem Begriff versteckt sich noch häufig ein Konzept, das den Online-Zugang zu digitalen Medien einer Einrichtung ermöglicht. Ein Beispiel dafür ist der digitale Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek.

Bei internetaffinen Bibliotheksnutzer*innen und Digital Natives weckt der Begriff des digitalen Lesesaals allerdings andere Erwartungen.

Durch die Lockdowns im Zuge der Covid-19-Pandemie erkannten viele Bibliotheken die Chance das Konzept des „Dritten Orts“ auf eine digitale Ebene zu verpflanzen. Diese Räume sind mehr als ein Zugang zu digitalen Medien. Sie bieten die Möglichkeit zur Begegnung und zum interaktiven Austausch abseits der analogen Welt.

Ein digitaler Raum mit Wonder

Die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn gestaltete mit dem browserbasierten Konferenztool Wonder einen digitalen Raum, um mit ihren Nutzer*innen in Kontakt zu treten. Interessierte konnten sich zwischen thematisch gekennzeichneten „Areas“, wie z.B. einer bibliothekarischen Auskunft oder Gruppenräumen, hin und her bewegen und sich flexibel Gesprächsgruppen anschließen, als wären sie vor Ort.

Was kann Wonder?

Wonder ist nach eigener Aussage eine Plattform zum Hosten von Online-Events. Das kostenlose, browserbasierte Tool ermöglicht Usern neben Videokonferenzen das freie Bewegen im Raum. Wer sein Icon auf das Icon einer anderen Person zubewegt, kann so spontan und flexibel in eine Unterhaltung in Form von Voice- oder Videochats einsteigen. Diese Gruppierungen werden bei Wonder „Circles“ genannt.

Als Host des digitalen Raums kann man über eine überschaubare Anzahl von Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten verfügen. Im Spaceeditor können beliebig viele „Areas“ erstellt und benannt, das Hintergrundbild des Raums geändert, oder die maximale Teilnehmer*innenzahl eines „Circles“ festgelegt werden. Zusätzlich lässt sich eine Ice-Breaker-Frage einrichten, die alle Personen, die den Raum betreten, beantworten müssen. Die Broadcastfunktion ermöglicht es, eine Übertragung von Bild und Ton an alle anwesenden Personen zu senden und es können Co-Hosts ernannt werden.

Durch die browserbasierte Umsetzung und den schnellen Anmeldeprozess ist Wonder für viele Bibliotheksbesucher*innen einfach und niedrigschwellig nutzbar. Die Broadcast-Funktion ermöglicht es außerdem, größere Veranstaltungen wie Lesungen oder Schulungen durchzuführen. Kolleg*innen können ohne Probleme zu Co-Hosts ernannt werden. Darüber hinaus ist ein hervorstechendes Merkmal, dass das Tool kostenlos ist. Eine kleine Einschränkung ist, dass die Anwendung nicht tablet- oder smartphonefähig ist. Auch sind die gestalterischen Möglichkeiten, was die Individualisierbarkeit des Raums angeht, stark begrenzt.

Mit WorkAdventure einen Schritt weiter gehen

Mit Tools wie WorkAdventure kann noch ein Schritt weiter gegangen werden. Hier bietet sich die Möglichkeit, digitale Räume zu erschaffen, die ihr analoges Gegenstück nachahmen und repräsentieren können. Diese Welt lässt sich von Besucher*innen mit Hilfe eines persönlichen Avatars erkunden.

WorkAdventure kann ein virtuelles Büro, ein virtueller Campus, oder eine virtuelle Messehalle sein. Zur Gestaltung des digitalen Raums kann aus einer Vielzahl vorgefertigter Maps mit unterschiedlichen Eigenschaften gewählt werden. Je nach Map ist der Raum für eine Teilnehmer*innenzahl zwischen 10 und 500 Personen ausgelegt. Wer etwas mehr Zeit investieren will und sich mit dem 2D Level-Editor Tiled auseinandersetzt, kann seinen Raum komplett selbst designen. Dabei ist es auch möglich, Schnittstellen zu externen Features im Raum zu verankern. Ein Beispiel: Im virtuellen Raum liegt ein Brettspiel auf einem Tisch. Zwei Avatare treten an den Tisch heran und werden zu einem externen Browsergame weitergeleitet, in dem sie gegeneinander spielen können.

Wer eine vorgefertigte Map nutzt, findet dort unterschiedliche, bereits eingerichtete Zonen vor. Wer mit seinem Avatar, dem sogenannten „WOKA“, einen Gruppenraum betritt, bekommt z.B. das Angebot, durch Drücken der Leertaste einer Videokonferenz beizutreten. Videocalls können jedoch genauso gut eröffnet werden, indem man sich dicht zum „WOKA“ einer anderen Person stellt.

Was kostet WorkAdventure?

WorkAdventure unterscheidet zwischen einer kostenlosen und einer Premiumversion. Mit der kostenlosen Version von WorkAdventure ist die zeitgleiche Nutzung einer Map auf
25 Personen begrenzt. Videokonferenzen innerhalb der Map haben eine Obergrenze von 15 Personen. Es können vorgefertigte oder eigene Maps genutzt werden. „WOKAs“ können auch in der freien Version zu einem gewissen Grad individualisiert werden.

Die Premiumversion ermöglicht zusätzlich ein Zugriffsmanagement, das Ernennen von Moderator*innen, das Versenden globaler Nachrichten, das Aufzeichnen von Meetings und eine Google-Kalender-Integration. Leider verfügt WorkAdventure über keine Funktion, mit der Videobroadcasts an alle Teilnehmer*innen einer Map ausgestrahlt werden können.

WorkAdventure in der Bibliothek

Für Bibliotheken könnte es von Nachteil sein, dass die für sie besonders relevanten Features, wie z.B. eine kurzfristig sehr hohe Teilnehmer*innenzahl, mit der Preiskalkulation von WorkAdventure nicht vereinbar ist. Für manche Bibliotheksbenutzer*innen könnte auch die Hemmschwelle, einen digitalen Raum mit einem Avatar zu betreten, zu hoch sein. Für manche Nutzer*innen sind es aber vielleicht besonders die speziellen Eigenschaften von WorkAdventure, durch die ihre Erwartungen erfüllt werden.

Fazit

Das Projekt Wonder in der ULB Bonn ist inzwischen aufgrund geringer Nutzungszahlen eingestellt worden. Warum das Interesse trotz guter Features gering war, ist unklar. Möglicherweise kann auch der ideale digitale Raum den ersehnten analogen Raum nicht ersetzen. Vielleicht konnte Wonder auch die Erwartungen einer internetaffinen Generation an eine digitale Umgebung nicht erfüllen.  

Idealer wäre wohl eine digitale Lösung, die besonders in Zeiten der pandemischen Isolation ein Abtauchen in eine alternative Wirklichkeit ermöglicht, die neues aber gleichzeitig reales Zusammenkommen gestattet. Bibliotheken könnten Initiatoren eines solchen neu gedachten „Dritten Raums“ sein. WorkAdventure macht einen kleinen Schritt in diese Richtung. 

Quellen und Verweise

  1. Österreichische Nationalbibliothek: Ihr Zugang zu den digitalen Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek. Online verfügbar unter https://www.onb.ac.at/digitaler-lesesaal, zuletzt geprüft am 29.01.2022.
  2. Thorbjørn Lindeijer: Map Editor Tiled. Online verfügbar unter https://www.mapeditor.org/, zuletzt geprüft am 29.01.2022.
  3. ULB Bonn: Gemeinsam lernen und arbeiten im virtuellen Lesesaal der ULB Bonn. Online verfügbar unter , zuletzt geprüft am 28.02.2022.
  4. Wonder Technologies GmbH: Wonder. Online verfügbar unter https://wonder.me/, zuletzt geprüft am 29.01.2022.
  5. WorkAdventure: WorkAdventure. Pricing. Online verfügbar unter https://workadventu.re/pricing, zuletzt geprüft am 29.01.2022.
  6. WorkAdventure: WorkAdventure. Online verfügbar unter https://workadventu.re/, zuletzt geprüft am 29.01.2022.
  7. WorkAdventure: WorkAdventure. FAQ. Online verfügbar unter https://workadventu.re/faq, zuletzt geprüft am 29.01.2022.

Höhepunkt mit Risiko: Security- und Datenschutzprobleme bei smarten Sex-Toys

Autor:innen: Larissa Schmidt und Jonas Reinhard

Der Anteil an Smarten Sexspielzeugen nimmt immer weiter zu, allerdings stellen Sicherheitslücken und mangelnde Datensparsamkeit bei den Geräten ein Problem dar.

Sehen harmlos aus, schnorcheln aber deine Daten ab: Smarte Sextoys (stock.adobe.com)

Im Jahr 2018 stellte Werner Schober in seinem Vortrag auf dem Chaos Communication Congress mit dem Titel Internet of Dongs – A long way to a vibrant Future den Inhalt seiner Recherche zu den Security-Problemen bei dem Device „Vibratissimo Panty Buster“ vor. Die Recherche bildete die Grundlage seiner Diplomarbeit. Bei einem Penetration Test war es ihm möglich, auf die Hersteller-Datenbank, auf dessen Server und dadurch auch auf Nutzer:innendaten, wie explizite Fotos, Chatverläufe, sexuelle Orientierung, E-Mail Adressen, gespeicherte Passwörter in Klartext, etc., zuzugreifen. Außerdem konnte er sowohl über die App, als auch über eine Bluetooth-Verbindung auf fremde Geräte zugreifen und diese steuern.

Seitdem hat die Zahl von sogenannten Smarten Sextoys immer weiter zugenommen. Laut einer Recherche von Juniper Research waren im Jahr 2019 etwa 19 Millionen dieser Geräte im Einsatz. 2020 stieg die Zahl um 87% auf 36 Millionen an. Die Zahl der bekannt gewordenen Sicherheitslücken stieg mit. Es sind sozusagen sexuell übertragbare Sicherheitslücken.

Diese Entwicklung bringt zahlreiche Risiken für die eigene (IT-)Sicherheit mit sich. Beispielsweise gelang es Hackern, Kontrolle über einen Smarten Keuschheitsgürtel zu übernehmen. Die Angreifer verlangten von ihren Opfern ein Lösegeld von 0.02 Bitcoin (entspricht derzeit etwa 674 €). „Your Cock is mine now“, lautete die Erpresser-Botschaft der Hacker. Die Schwachstelle, eine ungeschützte API (Programmierschnittstelle), wurde bereits im Oktober des Vorjahres bekannt.

The Cellmate chastity lock works by allowing a trusted partner to remotely lock and unlock the chamber over Bluetooth using a mobile app. That app communicates with the lock using an API. But that API was left open and without a password, allowing anyone to take complete control of any user’s device.

Zack Whittacker (Techcrunch)

Diesen Vorfall griff auch der Comedian John Oliver in seiner Show „Last Week Tonight“ auf.

Doch nicht nur ungeschützte APIs und ungesicherte Bluetooth-Verbindungen sind ein Problem: Viele Devices wollen zusätzlich auf viele Daten zugreifen, die sie in der Nutzung überhaupt nicht brauchen. So will beispielsweise ein Beckenbodentrainer des Herstellers “Perifit”, mit dem man Spiele wie “Flappybird” steuern kann, Zugriff u.a. auf Kontakte, Gesundheits- und Fitnessdaten sowie Standort der Nutzer:innen. Man kann von einem regelrechten Datenfetisch der Hersteller sprechen.

Viele dieser Smarten Sextoys werden teuer verkauft. Die Shops, in denen sie vertrieben werden, werben mit diskreter Verpackung und dem Schutz der Privatsphäre beim Versand.

Mit dem Useraccount verlinkte Daten bei der App „Perifit“ des Entwicklers X6 Innovations. (Screenshot)
Qualitätsversprechen eines Online-Erotikshops (Screenshot)

Die Produkte sind oft sehr kostspielig und Verkäufer und Hersteller betonen die hohe Qualität der Produkte. Die Sicherheit, die den Käufer:innen hier vermittelt wird, lässt sich im Digitalen leider vermissen.

Es wäre schön, wenn Hersteller dies in Zukunft stärker in Betracht ziehen würden.

Letztenendes ist es am Besten beim Kauf darauf zu achten, auf welche Nutzer:innendaten (z.B. Kontakte, Suchverlauf im Browser, Standort) die zugehörigen Apps zugreifen möchten und diese Zugriffe gegebenenfalls in den Telefoneinstellungen zu unterbinden. Gerade beim Kauf von Sexspielzeug, dessen Missbrauch körperliche Schäden verursachen kann (z.B. ButtPlugs, die sich nicht mehr entfernen lassen), ist es empfehlenswert, auf manuelle Möglichkeiten der Deaktivierung zu achten.

Wer auf dem neuesten Stand bleiben möchte oder sogar helfen will, Smarte Sextoys sicherer zu machen, sollte sich unbedingt die folgenden Blogs anschauen:

Die Website ist die Bibliothek

Autorinnen:  Svenja Diste und Julia Rasek


Inhaltsverzeichnis

Retro ist wieder in? Nicht bei Websites.

Welche Bibliothek kennt es nicht? Die Website wurde vor 20 Jahren erstellt und seither nicht mehr überarbeitet – und das sieht man ihr auch an. So ganz stimmt das natürlich nicht, es kommen schließlich regelmäßig neue Unterseiten für jede neue Dienstleistung, jedes neue Projekt und jede neue Datenbank hinzu. Vom Entfernen, wenn es die Datenbank 5 Jahre später gar nicht mehr gibt, war ja nie die Rede…

Es muss also eine neue Website her. Und diesmal richtig! Diesmal achten wir auf eine ordentliche UX! Aber was ist das eigentlich…?

UX steht für „User Experience“. Dabei geht es nicht nur um die Nutzerfreundlichkeit (Usability) während der Nutzung, sondern auch um die Effekte vor und nach dem Besuch der Website. Die Nutzung soll Spaß machen („Joy of Use“), es geht um Ästhetik und Emotionen. [1] Weg vom einfachen Website-Besuch, hin zum Online-Erlebnis! Noch ausführlicher erklärt wird der Begriff UX, und alles, was er beinhaltet, in folgendem Video (Achtung: Appetit auf Pizza vorprogrammiert!):

Wir kennen jetzt also den Unterschied zwischen UX und Usability – oder?

Nun wollen wir unsere neue Website mit unserem dazugewonnenen Wissen neu ausrichten. Bevor wir aber mit dem UX-Design anfangen können, müssen einige Vorbereitungen getroffen werden.

Schritt 1: Probleme der alten Website analysieren

Seitenbesuche der Enoch Pratt Library. Mehr als 10.000: 2%. Weniger als 5: 55%
Seitenbesuche der Enoch Pratt Library. Grafik nach Zhu (2021).

Um Probleme bei der neuen Website zu vermeiden, müssen erstmal die Probleme der alten Website gefunden werden. Ein gute Methode dafür ist die Nutzung eines Analysetools um ausführliche Statistiken über Page Views, Bounce Rates etc. zu erhalten. Die Enoch Pratt Free Library hat bei dieser Analyse beispielsweise herausgefunden, dass über die Hälfte der Seiten ihrer Internetpräsenz weniger als 5 Besuche pro Jahr erhalten und die am häufigsten besuchten Seiten mit über 10.000 Aufrufen pro Jahr nur 2% der Seiten ausmachen. [2] Keep that in mind – mehr dazu später!

Weitere häufige Probleme sind:

    • mangelnde Aktualität von Inhalten
    • unübersichtliches Design – besonders auf Mobilgeräten
    • schlechte Performance der Website
    • schlechte Benennung von Datenbanken und Angeboten: Weiß jede*r Besucher*in, dass sich hinter dem OPAC der Bibliothekskatalog versteckt?

Schritt 2: Ziele und Zielgruppe

Unsere Zielgruppe ist – besonders im Bereich von öffentlichen Bibliotheken – sehr heterogen. Beispielsweise stellen Jugendliche andere Erwartung an eine Website als Senior*innen und auch die Erfahrungen mit dem Internet sind sehr unterschiedlich.  Daher sollte sich die Seite am schwächsten Glied orientieren und die Bedienung so simpel und eindeutig wie möglich sein. Auch die Digital Natives werden sich hierüber nicht beschweren!

Neben der Zielgruppe ist auch die Zielsetzung der Website wichtig. Was soll überhaupt mit der Bereitstellung erreicht werden? Soll die Seite nur bestehende oder auch potenzielle neue Nutzer*innen ansprechen? Soll die Seite Interaktion ermöglichen? Sollen die Nutzer*innen nur erledigen, wofür sie gekommen sind, oder darüber hinaus positiv überrascht werden und Neues entdecken?

UX Labyrinth mit einem kurzen blauen und einem langen roten Weg
Quelle: https://t2informatik.de

Soll heißen: Wer nur die Öffnungszeiten der Bibliothek herausfinden möchte, nimmt die schnelle blaue Route durch das Labyrinth. Der rote „Umweg“ wäre frustrierend. Wer aber gerne Zeit im Labyrinth verbringt, wird auf der roten Route das ein oder andere neue Bibliotheksangebot entdecken. Welcher Weg bietet also die bessere User Experience? Das kann sehr subjektiv sein. Es gilt: Eine gute Usability wird selten explizit wahrgenommen, schlechte Usability hingegen schon. [3]

Schritt 3: Struktur und Design

Jetzt können wir uns endlich der neuen Website widmen. Eine gute Idee ist es, die grundlegende Struktur der Seite durch ein Wireframe darzustellen, bevor im Anschluss das Design – also Logos, Farben, Schriftarten, etc. – implementiert wird.

Unerlässlich für jede Website ist heutzutage ein sogenanntes responsive design, d.h. ein Design, das sich flexibel auf jedes Endgerät einstellt.

„Mobile First“ lautet die Devise! Immerhin ist das Smartphone das meistgenutzte Endgerät zum Surfen, wie Studien zeigen. Daher werden Websites heutzutage für mobile Endgeräte optimiert, Desktop-PCs sind nachrangig. Eine übersichtliche Navigation entsteht hierdurch zwangsläufig.

Quelle: Postbank Digitalstudie 2020

Ebenso selbstverständlich wie ein responsives Design ist die Barrierefreiheit, um beispielsweise Menschen mit Sehbeeinträchtigungen den Besuch der Website zu erleichtern. Inklusion ist eben nicht nur im Bibliotheksgebäude eine Notwendigkeit.

Schritt 4: Inhalt

Mutig sein!

Durch die Analyse zu Beginn haben wir erfahren, welche Inhalte die Nutzer*innen interessieren und vor allem: welche nicht. Und wenn die Seite noch so schön den monatlichen Töpferkreis aus den 90ern beschreibt und damals furchtbar viel Arbeit bei der Erstellung bereitet hat: Wenn es niemanden interessiert, kommt es raus. Die Enoch Pratt Free Library hat z.B. bei ihrem Re-Design mehr als 1000(!) Seiten entfernt (Ihr erinnert euch: Die Seiten, die weniger als 5 Klicks im Jahr hatten). [2]

Die Themen, die die Besucher*innen am meisten interessieren (vermutlich Öffnungszeiten u.ä.) sollten so leicht wie möglich erreichbar sein, gerade auch auf der mobilen Seite. [2]

Ein Weg, um die vielfältigen Informationen für die verschiedenen Zielgruppen gezielt an den Mann (die Frau, das Kind, die Jugendlichen…) zu bringen, können verschiedene Bereiche für die jeweiligen Gruppen sein.

Bereiche für verschiedene Zielgruppen auf der Enoch Pratt Library Website
Bereiche für verschiedene Zielgruppen auf der Enoch Pratt Library Website

In einer Bibliothek geht es nicht nur darum, das zu finden, was man sucht, sondern auch das zu finden, von dem man noch gar nicht wusste, dass man es sucht.

Der Online-Katalog sollte daher auf der Bibliothekswebsite nicht nur in Form eines Links auftauchen, sondern bestenfalls vollständige in die Website integriert sein. In die Bereiche für die einzelnen Zielgruppen können zielgruppengerechte Medienvorschläge direkt eingespeist werden – so wie man in der physischen Bibliothek auch Medien durch Frontalpräsentation besonders bewerben würde.

Apropos bewerben: Jede Bibliothek kennt wahrscheinlich das Problem, dass sie tolle digitale Angebote wie bestimmte Datenbanken vorhält, diese aber kaum genutzt werden. Eventuell kann dies an den nichtssagenden Namen liegen – wer weiß schon, dass sich hinter Overdrive ein ähnlicher Anbieter wie die Onleihe verbirgt? Man kann auch nicht davon ausgehen, dass jeder Nutzer Rosetta Stone gleich mit Sprachen verbindet. Solchen Angeboten klare Namen und Beschreibungen zu geben, kann hier also helfen. 

Schritt 5: Auswertung und Ausblick

Nachdem die Website programmiert, getestet und hoffentlich erfolgreich eingeführt wurde, können die gleichen Statistiken wie vor der Umstellung erhoben werden. Diesmal natürlich mit hoffentlich besseren Zahlen (falls nicht: diesen Beitrag nochmals lesen & umsetzen).

Die Enoch Pratt Free Library konnte z.B. allein seit Einführung der neuen Website im August 2020 bis Ende 2020 die Bounce Rate um 11,25% verringern. Die Besuche auf bestimmten Seiten erhöhten sich um 57% bis 245%. [2]

Und so kann eine erfolgreiche Umarbeitung dann aussehen:

Für die Zukunft ist es wichtig zu beachten: Die Website ist wie der Medienbestand. Auch ihre Inhalte müssen gepflegt, aktuell gehalten und bei Bedarf ausgesondert werden.

Schlusswort:

Die Website der Bibliothek sollte nicht einfach als Website von Bibliothekar*innen für Bibliothekar*innen betrachtet werden, sondern als virtuelle Zweigstelle für die Nutzer*innen der Bibliothek. Wie eingangs bereits getitelt: Die Website soll nicht über die Bibliothek sein, die Website soll die Bibliothek sein.

Mehr zum Thema:

Blenkle, Martin (2014): Amazon & Google als Herausforderung? Nutzerorientierte Gestaltung von Bibliothekswebseiten (PDF)

Quellen:

[1] https://www.usability.de/usability-user-experience.html (aufgerufen am 04.02.2022)

[2] Zhu, Candice (2021): Website Makeover: Transforming the User Experience from Scratch. In: Computer in Libraries Jg. 41, H. 6

[3] https://t2informatik.de/wissen-kompakt/user-experience/ (aufgerufen am 06.02.2022)

Beitragsbild: Image by Gerd Altmann from Pixabay

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