Becoming a Librarian: Der Studiengang “Informationsmanagement berufsbegleitend” an der Hochschule Hannover

Autorin: Daniela Tavano


© BullRun – stock.adobe.com

Trotz drohendem Fachkräftemangel gibt es nur wenige attraktive und berufsbegleitende Möglichkeiten sich als Fachangestellte(r) für Medien- und Informationsdienste im Bibliothekswesen bzw. Informationsmanagement weiterzubilden. Ein “normales” Studium ist für FaMIs oft nicht umsetzbar, da ein fester Arbeitsplatz, familiäre Bindung oder finanzielle Gründe dem entgegen stehen.2 Zum Glück gibt es seit 2012 an der Hochschule Hannover den Studiengang “Informationsmanagement berufsbegleitend”!

In diesem Beitrag möchte ich interessierten Personen einen kleinen Überblick über die Weiterbildung geben, zeige Vor- und Nachteile auf, gebe Tipps und gute Gründe um durchzuhalten.

In Frankfurt und Köln wird zwar die Fortbildung zur Fachwirt(in) für Informationsdienste angeboten, allerdings recht unregelmäßig und mit mind. einem Präsenztag pro Woche(!). An der Fachhochschule Potsdam gibt es den Fernweiterbildungskurs Bibliothekswissenschaft (B.A.), jedoch startete seit 2021 kein neuer Kurs mehr.

Inhaltsverzeichnis

  1. Eckdaten
  2. Vorteile
  3. Nachteile
  4. Tipps
  5. Warum Du durchhalten solltest
  6. Quellenverzeichnis

1. Eckdaten1

  • Studienbeginn: Wintersemester
  • Studiendauer: 7 Semester
  • fünf bis sechs Präsenzphasen pro Semester (ganztägig, Donnerstag bis Samstag)
  • Semesterbeitrag: zw. 300-450€ (inkl. GVH-Ticket und Landesticket Niedersachsen)
  • Abschluss: Informationsmanagement (B.A.)

Weitere Informationen findest du unter: https://f3.hs-hannover.de/studium/bachelor-studiengaenge/informationsmanagement-berufsbegleitend-bib/

2. Vorteile

Die diverse Altersstruktur im Studiengang sorgt dafür, dass Studierende fachlich und persönlich von- und miteinander lernen können. Vor allem während der Präsenzzeit an der Hochschule, aber auch während den Onlinephasen in Lern- oder Gruppenarbeiten, kommt es zum regen Austausch.2 Die Kommunikation mit Kommilitonen ist auch essentiell fürs Durchhalten und die Motivation.3

Onlineveranstaltungen sind zwar nicht die Regel, dennoch wird z.B. im Krankheitsfall (von Dozenten oder Studierenden) oder bei anderen unvorhergesehenen Fällen (z.B. Heizungsausfall an der Hochschule) darauf zurückgegriffen.

3. Nachteile

Gewiss gibt es nicht nur positive Seiten. Das Studium dauert nicht länger als andere, allerdings ist die Doppelbelastung mit Job und Studium nicht zu unterschätzen.

Dazu kommt noch der ganze Organisationsstress mit Prüfungsterminen, Präsenzzeiten, Fahrkarten- und Hotelbuchung. Hierfür ist eine gute Organisation, Planung und Struktur seitens der Hochschule und der Studierenden nötig.2 Jede Seite gibt ihr bestes, aber es gibt auch immer wieder Unannehmlichkeiten, die man verkraften muss.

Du kannst mit durchschnittlich 20 Wochenstunden Lernzeit rechnen, natürlich hängt das von deiner Lernstrategie und möglichen Vorkenntnissen ab.3 Hinzu kommen deine persönlichen Leistungsziele und Belastbarkeit neben familiären Verpflichtungen.2 Die Prüfungsphasen können besonders anstrengend sein. Und dadurch, dass das Studium sehr IT-lastig sein kann, ist dein Hirnschmalz umso mehr gefragt. Dazu kommt noch der zusätzliche Zeitaufwand für den Weg nach Hannover und zurück.

Der Semesterbeitrag ist im Vergleich zu einem “regulärem” Studium an anderen Universitäten relativ teuer. Fast die Hälfte des Semesterbeitrags besteht aus Kosten für das GVH-Ticket und dem landesweiten Ticket für Niedersachsen. Leider müssen auch berufsbegleitende Studierende diesen Anteil bezahlen. Daneben solltest du Fahrt- und Übernachtungskosten sowie Verpflegung einkalkulieren.

4. Tipps

Welche Punkte Du mit deinem Arbeitgeber klären solltest:

  • (teilweise) Übernahme der Lehrgangsgebühren?
  • Übernahme der Fahrt- und Übernachtungskosten?
  • Freistellung an Unterrichtstagen?
  • Zu welchem Preis? Wie lange müsste man sich “binden”? Rückzahlungsklauseln?
  • Was passiert im Falle einer Schwangerschaft/Krankheit?
  • ggf. weitere Unterstützung?

Bei 113 angesetzten Präsenztagen (einschließlich der Samstage)3, solltest du über eine Arbeitszeitverkürzung nachdenken. Das Studium ist aber auch mit einem Vollzeitjob zu schaffen. Falls dich dein Arbeitgeber an den Unterrichtstagen nicht freistellt, musst du dafür Urlaubs- oder Gleittage nehmen.

Welche Argumente deinen Arbeitgeber überzeugen könnten:

  • Du bringst mit den Kompetenzen der Ausbildung und deiner Berufserfahrung gute Studienvoraussetzungen mit2
  • Maßnahme gegen den Fachkräftemangel und dem demographischen Wandel3
  • Neue Anforderungen im Bibliothekswesen durch Digitalisierung und veränderten Aufgaben3
  • Gesteuerte interne Wiederbesetzung von frei werdenden Arbeitsstellen mit weitergebildeten Angestellten2
  • Fachkräftesicherung durch zeitig kommunizierte Berufsperspektive2
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit und -bereitschaft3
  • bereits im Studienverlauf Übertragung weiterer Aufgaben und Verantwortlichkeiten möglich3

In einigen Bundesländern hat man Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub im Kalenderjahr. Zusätzlich könntest du ein Aufstiegs- oder Begabtenstipendium beantragen.3 Ein Meister-BAföG ist für akademische Ausbildungen nicht vorgesehen.

Eine parallele Berufstätigkeit ist nicht notwendig, sodass auch Arbeitssuchende oder Bewerber mit befristeten Arbeitsverträgen sich für das Studium bewerben können.3

5. Warum Du durchhalten solltest

Dein Interesse sich weiterzuentwickeln lohnt sich, denn die größte Motivation ist die höherwertige und anspruchsvollere Arbeit, die dich erwartet. Daraus resultiert natürlich auch eine bessere tarifliche Einstufung nebst örtlicher und fachlicher Flexibilität.3 Der Abschluss bietet dir gute Aufstiegschancen und fördert dich in beruflicher sowie persönlicher Hinsicht.2

Eine Sache ist jedoch am wichtigsten, nämlich Du.
Nur deine Selbstmotivation, Selbstreflexion und Anstrengungsbereitschaft wird dich letztendlich zum Abschluss führen.
Tschakka, du schaffst das!

6. Quellenverzeichnis

  1. Hochschule Hannover (2022): Informationsmanagement berufsbegleitend (BIB). Online unter: https://f3.hs-hannover.de/studium/bachelor-studiengaenge/informationsmanagement-berufsbegleitend-bib/ [Abruf am: 10.12.2022]
  2. Wittich, Anke (2021): Kein “Bachelor light” im berufsbegleitenden Studium. In: Die Neue Hochschule, H. 5, S. 12-15. Online unter: https://www.yumpu.com/s/mTZA9GnrfUqBFEx6 [Abruf am: 09.12.2022]
  3. Wittich, Anke (2022): 10 Jahre berufsbegleitendes Studium “Informationsmanagement” an der Hochschule Hannover: eine Zwischenbilanz. In: Bibliotheksdienst, Jg. 56, H. 5, S. 285-294. Online unter: http://www.bautz.de/bbkl/l/luther_m.shtml [Abruf am: 09.12.2022]

Beitragsbild: © Salih – stock.adobe.com

Projektarbeit:  H5P für interaktive Lernressourcen 

Autor:innen:  Katharina Deymann, Alisa Held, Katharina Kroupa, Yannick Pollmann, Friederike Roth, Luise Scheiding, Nathan Scheulen, Madeleine Schütz und Marieke Tödter


In ihrer Projektarbeit haben sich neun Studierende des 6. Semesters im Studiengang Informationsmanagement berufsbegleitend damit befasst, wie bestehende Lernressourcen didaktisch sinnvoll mit H5P angereichert werden können.

Insgesamt wurden der Projektgruppe digitale Lerninhalte aus sechs unterschiedlichen Moodle-Kursen unterschiedlicher Dozent:innen und Fachmodule bereitgestellt.

Diese Lernressourcen wurden im Zuge des Projekts mit H5P interaktiver gestaltet. Durch H5P können Lerninhalte dank interaktiver Elemente so aufbereitet werden, dass den Lernenden eine intensivere Auseinandersetzung mit den Inhalten ermöglicht wird, die zu einem tieferen Erkenntnisgewinn führen soll. Die Open Source Software H5P (HTML5 Package) ermöglicht es, im Browser interaktive Lerninhalte (interaktive Videos, Quizze, etc.) zu erstellen und plattformunabhängig zu teilen und nachzunutzen. Dabei kann es als Plugin z.B. in LMS wie in Moodle oder in Content Management Systemen (CMS) wie WordPress eingebunden werden.

Das Endziel des Projekts ist, die bereitgestellten Studienmaterialien in Anlehnung an die Lernziele nach Bloom’s Digital Taxonomy so aufzubereiten, dass sie als Open Educational Ressources (OER) unter einer CC-BY-3.0-Lizenz veröffentlicht werden können. 

Einzelheiten und Ergebnisse zum Projekt sowie eine sehr hilfreiche Übersicht aller H5P Inhaltstypen samt Zuordnung des Bloomschen Levels, Priorität und dem möglichen Einsatzbereich befindet sich als Anhang im Bericht:

Die mit H5P aufbereiteten Lernressourcen sind im TestWebLab einzusehen.

Die Nutzung von interaktiven Videos in Bibliotheken

Autorinnen: Tanja Hoogestraat und Heike Goebel

Beim Surfen im Internet sind wir es gewohnt, eigenständig durch Klicken und Scrollen zu navigieren. Wir bestimmen selbst, welche Treffer bei einer Recherche relevant sind und welche Teile von Websites interessant erscheinen. Wenn jedoch ein Video aufgerufen wird, entwickeln wir uns häufig zu passiven Zuschauern.

Bei interaktiven Videos ist das nicht der Fall! So können zum Beispiel verschiedene Teile des Videos in individueller Reihenfolge oder weiterführende Inhalte durch Verlinkungen aufgerufen werden. Auch zusätzliche Elemente, wie Quizfragen sind möglich.1 Doch wie können Bibliotheken dieses Format für ihre Nutzer*innen einsetzen?

Übersicht

    1. Interaktive Videos in wissenschaftlichen Bibliotheken
    2. Interaktive Videos in öffentlichen Bibliotheken
    3. Abschlussquiz
    4. Quellen

Interaktive Videos in wissenschaftlichen Bibliotheken

Wissenschaftliche Bibliotheken richten ihren Bestand vor allem auf das wissenschaftliche Studium und die Forschung aus. Die Benutzer setzen sich vorwiegend aus Studierenden und Wissenschaftlern zusammen.2 Hier besteht ein großes Interesse an digitalen Lehrangeboten in den Bereichen:

    • Bibliotheksführungen
    • Suchstrategien für das Internet
    • fachspezifische Suchstrategien
    • Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten3

Interaktive Videos sind ein wichtiger Bestandteil des E-Learnings für Studierende, aber auch für anderweitig Interessierte. Die interaktiven Elemente helfen dabei, das Wissen zu erproben und Defizite selbstständig festzustellen.4 Ein Beispiel liefert die Bibliothek Wirtschaft & Management der TU Berlin, welche eine interaktive Bibliothekstour (Einloggen als Gast mit dem Passwort: DBWM) zur Verfügung stellt, um den Studierenden die Bibliothek auf elektronische Weise näher zu bringen.

Interaktive Videos in öffentlichen Bibliotheken

In öffentlichen Bibliotheken können interaktive Videos ebenfalls für Rechercheschulungen oder Bibliotheksführungen genutzt werden. Die Zielgruppen sind jedoch andere. So richten sich Angebote einer Stadtbibliothek an verschiedene Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise an Schulkinder. Deshalb sollten auch interaktive Videos der Büchereien auf diese ausgerichtet und verständlich für sie sein. Folgendes Video erklärt den booleschen Operator UND anhand von einfachen Beispielen:

Erklärvideo zum booleschen Operator UND5

Allerdings enthält das Video keine interaktiven Elemente. Möglichkeiten, diese durch h5p oder andere Tools einzubinden, könnten sein:

    • Zuordnung der grünen Häkchen und roten Kreuze zu den Eigenschaften der Autos
    • Ja/Nein-Fragen oder Multiple Choice, welche Autos zur Anfrage passen
    • Weiterführende Kapitel zu OR oder NOT als Pfad mit Auswahlmöglichkeit integrieren

Bibliotheksführungen durch Rallyes

Anstelle von Bibliotheksführungen können Rallyes konzipiert werden, in denen auch Videos integriert sind. Dafür kann die Anwendung Actionbound genutzt werden, mit der eine Art Schnitzeljagd und das Sammeln von Punkten möglich ist.6 Es können beispielsweise Bounds mit Erklärvideos und anschließenden Aufgaben innerhalb der Bücherei eingebunden werden.7

Das entspricht zwar nicht einem interaktiven Video an sich, hat aber den gleichen Effekt: Es wird sich aktiv mit den Inhalten auseinandergesetzt und die Teilnehmenden können gleichzeitig ihr Wissen überprüfen.

Abschlussquiz

Überprüfen Sie hier Ihr Wissen über den Beitrag. Viel Spaß!

Quellen

1 Lehner, Franz (2011): Interaktive Videos als neues Medium für das eLearning. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Jg. 48, H. 1, S. 51-62. Online unter https://doi.org/10.1007/BF03340549 [Abruf am 28.01.2022]

2 Gantert, Klaus (2016): Bibliothekarisches Grundwissen. 9., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin, Boston: De Gruyter Saur. Online unter https://doi.org/10.1515/9783110321500 [E Book]

3 Laczny, Joachim (2018): E-Tutorials zur Nutzerschulung in Bibliotheken: Stand der Technik und Trends. In: Hermann, Martin; Apel, Joachim (Hg.): Perspektive Bibliothek, Jg. 7, Nr. 2, S. 111-143. Online unter https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bibliothek/article/view/57961/pdf [Abruf am 27.01.2022]

4 Schlottke, Natalie (2021): Die Anwendung des Modells „Komplexitätsstufen von aktivierenden Lernressourcen“ auf die Förderung von Informationskompetenz in deutschen Hochschulbibliotheken. Brake (Unterweser). Online unter https://doi.org/10.25968/opus-1856 [Bachelorarbeit]

5 Reckling-Freitag, Kathrin (2014): Erklärvideo zu „Boole’schen Operatoren“ oder „logischen Verknüpfungen“. Video publiziert von ZwischenSeiten-TV am 14.09.2014 auf YouTube. Online unter https://zwischenseiten.com/2014/09/14/erklarvideo-zu-booleschen-operatoren-oder-logischen-verknupfungen/ [Abruf am 28.01.2022]

6 Nachtwey, Frank (2017): Bibliotheken und mobiles Lernen. Neue Services zur Wissensvermittlung. In: Thissen, Frank (Hg.): Lernen in virtuellen Räumen. Perspektiven des mobilen Lernens. Berlin, Boston: De Gruyter Saur, (Lernwelten) S. 110-124. Online unter https://doi.org/10.1515/9783110501131-008 [E-Book]

7 Zwick, Simon; Lengler, Cynthia; Hamer, Ilka; Güzelmeriç, Annette; Schatz, Eugenie; Wiethoff, Dörthe; Küpper, Florian; Deeg, Christoph (2016): Die Bibliothek spielerisch entdecken mit der Lern-App Actionbound. In: Bibliothek Forschung und Praxis, Jg. 40, Nr. 1, S. 50–63. Online unter https://doi.org/10.1515/bfp-2016-0005

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Bild 3: Photo by Redd on Unsplash

Höhepunkt mit Risiko: Security- und Datenschutzprobleme bei smarten Sex-Toys

Autor:innen: Larissa Schmidt und Jonas Reinhard

Der Anteil an Smarten Sexspielzeugen nimmt immer weiter zu, allerdings stellen Sicherheitslücken und mangelnde Datensparsamkeit bei den Geräten ein Problem dar.

Sehen harmlos aus, schnorcheln aber deine Daten ab: Smarte Sextoys (stock.adobe.com)

Im Jahr 2018 stellte Werner Schober in seinem Vortrag auf dem Chaos Communication Congress mit dem Titel Internet of Dongs – A long way to a vibrant Future den Inhalt seiner Recherche zu den Security-Problemen bei dem Device “Vibratissimo Panty Buster” vor. Die Recherche bildete die Grundlage seiner Diplomarbeit. Bei einem Penetration Test war es ihm möglich, auf die Hersteller-Datenbank, auf dessen Server und dadurch auch auf Nutzer:innendaten, wie explizite Fotos, Chatverläufe, sexuelle Orientierung, E-Mail Adressen, gespeicherte Passwörter in Klartext, etc., zuzugreifen. Außerdem konnte er sowohl über die App, als auch über eine Bluetooth-Verbindung auf fremde Geräte zugreifen und diese steuern.

Seitdem hat die Zahl von sogenannten Smarten Sextoys immer weiter zugenommen. Laut einer Recherche von Juniper Research waren im Jahr 2019 etwa 19 Millionen dieser Geräte im Einsatz. 2020 stieg die Zahl um 87% auf 36 Millionen an. Die Zahl der bekannt gewordenen Sicherheitslücken stieg mit. Es sind sozusagen sexuell übertragbare Sicherheitslücken.

Diese Entwicklung bringt zahlreiche Risiken für die eigene (IT-)Sicherheit mit sich. Beispielsweise gelang es Hackern, Kontrolle über einen Smarten Keuschheitsgürtel zu übernehmen. Die Angreifer verlangten von ihren Opfern ein Lösegeld von 0.02 Bitcoin (entspricht derzeit etwa 674 €). “Your Cock is mine now”, lautete die Erpresser-Botschaft der Hacker. Die Schwachstelle, eine ungeschützte API (Programmierschnittstelle), wurde bereits im Oktober des Vorjahres bekannt.

The Cellmate chastity lock works by allowing a trusted partner to remotely lock and unlock the chamber over Bluetooth using a mobile app. That app communicates with the lock using an API. But that API was left open and without a password, allowing anyone to take complete control of any user’s device.

Zack Whittacker (Techcrunch)

Diesen Vorfall griff auch der Comedian John Oliver in seiner Show “Last Week Tonight” auf.

Doch nicht nur ungeschützte APIs und ungesicherte Bluetooth-Verbindungen sind ein Problem: Viele Devices wollen zusätzlich auf viele Daten zugreifen, die sie in der Nutzung überhaupt nicht brauchen. So will beispielsweise ein Beckenbodentrainer des Herstellers “Perifit”, mit dem man Spiele wie “Flappybird” steuern kann, Zugriff u.a. auf Kontakte, Gesundheits- und Fitnessdaten sowie Standort der Nutzer:innen. Man kann von einem regelrechten Datenfetisch der Hersteller sprechen.

Viele dieser Smarten Sextoys werden teuer verkauft. Die Shops, in denen sie vertrieben werden, werben mit diskreter Verpackung und dem Schutz der Privatsphäre beim Versand.

Mit dem Useraccount verlinkte Daten bei der App “Perifit” des Entwicklers X6 Innovations. (Screenshot)
Qualitätsversprechen eines Online-Erotikshops (Screenshot)

Die Produkte sind oft sehr kostspielig und Verkäufer und Hersteller betonen die hohe Qualität der Produkte. Die Sicherheit, die den Käufer:innen hier vermittelt wird, lässt sich im Digitalen leider vermissen.

Es wäre schön, wenn Hersteller dies in Zukunft stärker in Betracht ziehen würden.

Letztenendes ist es am Besten beim Kauf darauf zu achten, auf welche Nutzer:innendaten (z.B. Kontakte, Suchverlauf im Browser, Standort) die zugehörigen Apps zugreifen möchten und diese Zugriffe gegebenenfalls in den Telefoneinstellungen zu unterbinden. Gerade beim Kauf von Sexspielzeug, dessen Missbrauch körperliche Schäden verursachen kann (z.B. ButtPlugs, die sich nicht mehr entfernen lassen), ist es empfehlenswert, auf manuelle Möglichkeiten der Deaktivierung zu achten.

Wer auf dem neuesten Stand bleiben möchte oder sogar helfen will, Smarte Sextoys sicherer zu machen, sollte sich unbedingt die folgenden Blogs anschauen:

Die Website ist die Bibliothek

Autorinnen:  Svenja Diste und Julia Rasek


Inhaltsverzeichnis

Retro ist wieder in? Nicht bei Websites.

Welche Bibliothek kennt es nicht? Die Website wurde vor 20 Jahren erstellt und seither nicht mehr überarbeitet – und das sieht man ihr auch an. So ganz stimmt das natürlich nicht, es kommen schließlich regelmäßig neue Unterseiten für jede neue Dienstleistung, jedes neue Projekt und jede neue Datenbank hinzu. Vom Entfernen, wenn es die Datenbank 5 Jahre später gar nicht mehr gibt, war ja nie die Rede…

Es muss also eine neue Website her. Und diesmal richtig! Diesmal achten wir auf eine ordentliche UX! Aber was ist das eigentlich…?

UX steht für „User Experience“. Dabei geht es nicht nur um die Nutzerfreundlichkeit (Usability) während der Nutzung, sondern auch um die Effekte vor und nach dem Besuch der Website. Die Nutzung soll Spaß machen („Joy of Use“), es geht um Ästhetik und Emotionen. [1] Weg vom einfachen Website-Besuch, hin zum Online-Erlebnis! Noch ausführlicher erklärt wird der Begriff UX, und alles, was er beinhaltet, in folgendem Video (Achtung: Appetit auf Pizza vorprogrammiert!):

Wir kennen jetzt also den Unterschied zwischen UX und Usability – oder?

Nun wollen wir unsere neue Website mit unserem dazugewonnenen Wissen neu ausrichten. Bevor wir aber mit dem UX-Design anfangen können, müssen einige Vorbereitungen getroffen werden.

Schritt 1: Probleme der alten Website analysieren

Seitenbesuche der Enoch Pratt Library. Mehr als 10.000: 2%. Weniger als 5: 55%
Seitenbesuche der Enoch Pratt Library. Grafik nach Zhu (2021).

Um Probleme bei der neuen Website zu vermeiden, müssen erstmal die Probleme der alten Website gefunden werden. Ein gute Methode dafür ist die Nutzung eines Analysetools um ausführliche Statistiken über Page Views, Bounce Rates etc. zu erhalten. Die Enoch Pratt Free Library hat bei dieser Analyse beispielsweise herausgefunden, dass über die Hälfte der Seiten ihrer Internetpräsenz weniger als 5 Besuche pro Jahr erhalten und die am häufigsten besuchten Seiten mit über 10.000 Aufrufen pro Jahr nur 2% der Seiten ausmachen. [2] Keep that in mind – mehr dazu später!

Weitere häufige Probleme sind:

    • mangelnde Aktualität von Inhalten
    • unübersichtliches Design – besonders auf Mobilgeräten
    • schlechte Performance der Website
    • schlechte Benennung von Datenbanken und Angeboten: Weiß jede*r Besucher*in, dass sich hinter dem OPAC der Bibliothekskatalog versteckt?

Schritt 2: Ziele und Zielgruppe

Unsere Zielgruppe ist – besonders im Bereich von öffentlichen Bibliotheken – sehr heterogen. Beispielsweise stellen Jugendliche andere Erwartung an eine Website als Senior*innen und auch die Erfahrungen mit dem Internet sind sehr unterschiedlich.  Daher sollte sich die Seite am schwächsten Glied orientieren und die Bedienung so simpel und eindeutig wie möglich sein. Auch die Digital Natives werden sich hierüber nicht beschweren!

Neben der Zielgruppe ist auch die Zielsetzung der Website wichtig. Was soll überhaupt mit der Bereitstellung erreicht werden? Soll die Seite nur bestehende oder auch potenzielle neue Nutzer*innen ansprechen? Soll die Seite Interaktion ermöglichen? Sollen die Nutzer*innen nur erledigen, wofür sie gekommen sind, oder darüber hinaus positiv überrascht werden und Neues entdecken?

UX Labyrinth mit einem kurzen blauen und einem langen roten Weg
Quelle: https://t2informatik.de

Soll heißen: Wer nur die Öffnungszeiten der Bibliothek herausfinden möchte, nimmt die schnelle blaue Route durch das Labyrinth. Der rote “Umweg” wäre frustrierend. Wer aber gerne Zeit im Labyrinth verbringt, wird auf der roten Route das ein oder andere neue Bibliotheksangebot entdecken. Welcher Weg bietet also die bessere User Experience? Das kann sehr subjektiv sein. Es gilt: Eine gute Usability wird selten explizit wahrgenommen, schlechte Usability hingegen schon. [3]

Schritt 3: Struktur und Design

Jetzt können wir uns endlich der neuen Website widmen. Eine gute Idee ist es, die grundlegende Struktur der Seite durch ein Wireframe darzustellen, bevor im Anschluss das Design – also Logos, Farben, Schriftarten, etc. – implementiert wird.

Unerlässlich für jede Website ist heutzutage ein sogenanntes responsive design, d.h. ein Design, das sich flexibel auf jedes Endgerät einstellt.

„Mobile First“ lautet die Devise! Immerhin ist das Smartphone das meistgenutzte Endgerät zum Surfen, wie Studien zeigen. Daher werden Websites heutzutage für mobile Endgeräte optimiert, Desktop-PCs sind nachrangig. Eine übersichtliche Navigation entsteht hierdurch zwangsläufig.

Quelle: Postbank Digitalstudie 2020

Ebenso selbstverständlich wie ein responsives Design ist die Barrierefreiheit, um beispielsweise Menschen mit Sehbeeinträchtigungen den Besuch der Website zu erleichtern. Inklusion ist eben nicht nur im Bibliotheksgebäude eine Notwendigkeit.

Schritt 4: Inhalt

Mutig sein!

Durch die Analyse zu Beginn haben wir erfahren, welche Inhalte die Nutzer*innen interessieren und vor allem: welche nicht. Und wenn die Seite noch so schön den monatlichen Töpferkreis aus den 90ern beschreibt und damals furchtbar viel Arbeit bei der Erstellung bereitet hat: Wenn es niemanden interessiert, kommt es raus. Die Enoch Pratt Free Library hat z.B. bei ihrem Re-Design mehr als 1000(!) Seiten entfernt (Ihr erinnert euch: Die Seiten, die weniger als 5 Klicks im Jahr hatten). [2]

Die Themen, die die Besucher*innen am meisten interessieren (vermutlich Öffnungszeiten u.ä.) sollten so leicht wie möglich erreichbar sein, gerade auch auf der mobilen Seite. [2]

Ein Weg, um die vielfältigen Informationen für die verschiedenen Zielgruppen gezielt an den Mann (die Frau, das Kind, die Jugendlichen…) zu bringen, können verschiedene Bereiche für die jeweiligen Gruppen sein.

Bereiche für verschiedene Zielgruppen auf der Enoch Pratt Library Website
Bereiche für verschiedene Zielgruppen auf der Enoch Pratt Library Website

In einer Bibliothek geht es nicht nur darum, das zu finden, was man sucht, sondern auch das zu finden, von dem man noch gar nicht wusste, dass man es sucht.

Der Online-Katalog sollte daher auf der Bibliothekswebsite nicht nur in Form eines Links auftauchen, sondern bestenfalls vollständige in die Website integriert sein. In die Bereiche für die einzelnen Zielgruppen können zielgruppengerechte Medienvorschläge direkt eingespeist werden – so wie man in der physischen Bibliothek auch Medien durch Frontalpräsentation besonders bewerben würde.

Apropos bewerben: Jede Bibliothek kennt wahrscheinlich das Problem, dass sie tolle digitale Angebote wie bestimmte Datenbanken vorhält, diese aber kaum genutzt werden. Eventuell kann dies an den nichtssagenden Namen liegen – wer weiß schon, dass sich hinter Overdrive ein ähnlicher Anbieter wie die Onleihe verbirgt? Man kann auch nicht davon ausgehen, dass jeder Nutzer Rosetta Stone gleich mit Sprachen verbindet. Solchen Angeboten klare Namen und Beschreibungen zu geben, kann hier also helfen. 

Schritt 5: Auswertung und Ausblick

Nachdem die Website programmiert, getestet und hoffentlich erfolgreich eingeführt wurde, können die gleichen Statistiken wie vor der Umstellung erhoben werden. Diesmal natürlich mit hoffentlich besseren Zahlen (falls nicht: diesen Beitrag nochmals lesen & umsetzen).

Die Enoch Pratt Free Library konnte z.B. allein seit Einführung der neuen Website im August 2020 bis Ende 2020 die Bounce Rate um 11,25% verringern. Die Besuche auf bestimmten Seiten erhöhten sich um 57% bis 245%. [2]

Und so kann eine erfolgreiche Umarbeitung dann aussehen:

Für die Zukunft ist es wichtig zu beachten: Die Website ist wie der Medienbestand. Auch ihre Inhalte müssen gepflegt, aktuell gehalten und bei Bedarf ausgesondert werden.

Schlusswort:

Die Website der Bibliothek sollte nicht einfach als Website von Bibliothekar*innen für Bibliothekar*innen betrachtet werden, sondern als virtuelle Zweigstelle für die Nutzer*innen der Bibliothek. Wie eingangs bereits getitelt: Die Website soll nicht über die Bibliothek sein, die Website soll die Bibliothek sein.

Mehr zum Thema:

Blenkle, Martin (2014): Amazon & Google als Herausforderung? Nutzerorientierte Gestaltung von Bibliothekswebseiten (PDF)

Quellen:

[1] https://www.usability.de/usability-user-experience.html (aufgerufen am 04.02.2022)

[2] Zhu, Candice (2021): Website Makeover: Transforming the User Experience from Scratch. In: Computer in Libraries Jg. 41, H. 6

[3] https://t2informatik.de/wissen-kompakt/user-experience/ (aufgerufen am 06.02.2022)

Beitragsbild: Image by Gerd Altmann from Pixabay

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H5P in digitalen Lernplattformen

Autorinnen: Lisa Sommer und Leonora Zullufi

Im Gegensatz zum statischen Content wird bei interaktiven Inhalten der dynamische Content herangezogen. Das heißt, dass es nicht nur gewöhnliche Texte zum Lesen gibt oder Bilder nur betrachtet werden. Bei interaktiven Inhalten wird der Benutzer auch aktiv in das Geschehen eingebunden. Dadurch wird die Aufmerksamkeit erregt und gewonnen. Daher steigt auch die Motivation sich mit den Inhalten des jeweiligen Themas auseinanderzusetzen. Doch wie kommen diese interaktiven Inhalte zustande? Dafür ist es wichtig zu verstehen, was H5P ist, was es anbietet und wie es funktioniert.

Was ist H5P?

  • Optimierung Ihrer Website mit H5P
  • Mobilfreundlicher Inhalt
  • Reichhaltige Inhalte teilen
  • Kostenlos zu verwenden
  • Vorteile von H5P

Anwendungsmöglichkeiten

  • Arten der H5P-Einbettung
  • Content Typen

H5P in Moodle einfügen

  • Plug-ins einfügen
  • Erstellen einer H5P Aktivität 



Was ist H5P?

H5P [b]

In den letzten Jahren hat H5P zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-Software, die von der Firma Joubel im Jahr 2013 im Auftrag der NDLA (“Norwegian Digital Learning Arena”) entwickelt wurde. Für den Einsatz in (Hoch-)Schulen bietet H5P seit einigen Jahren einen kostenpflichtigen Hosting-Dienst mit zusätzlichen hochwertigen Funktionen an. Diese sind auch für den Einsatz in der Firmenumgebung interessant.

H5P basiert auf modernen Standards wie HTML5, CSS3 und Javascript. Der H5P-Kern ist dabei teils in Javascript, teils in einer Server-spezifischen Programmiersprache wie z. B. PHP geschrieben. Da aber die meisten Funktionalitäten aus Javascript stammen, ist der Teil des H5P-Cores, der portiert werden muss, so klein wie möglich gehalten. H5P kann somit auf unterschiedliche Web-Publishing-Systeme portiert und mit vorhandenen LMS („Lern-Management-Systemen“), wie Moodle, Totara, WordPress oder Drupal, integriert werden. Mittlerweile bieten auch proprietäre LMS, wie etwa Neon LMS, eine H5P-Integration.[1]

Optimierung Ihrer Website mit H5P

H5P macht es einfach, HTML5-Inhalte und -Anwendungen zu erstellen, teilen und wiederverwenden. H5P ermöglicht es jedem, reichhaltige und interaktive Weberlebnisse effizienter zu gestalten– alles, was Sie dazu benötigen, ist ein Webbrowser und eine Website mit einem H5P-Plug-in.[2]

Mobilfreundlicher Inhalt

H5P-Inhalte sind reaktionsschnell und mobilfreundlich. Das bedeutet, dass Benutzer auf Computern, Smartphones und Tablets dieselben reichhaltigen interaktiven Inhalte erleben.[2]

Reichhaltige Inhalte teilen

H5P ermöglicht es bestehenden CMS und LMS, reichhaltigere Inhalte zu erstellen. Mit H5P können Autoren interaktive Videos, Präsentationen, Spiele, Werbung und mehr erstellen und bearbeiten. Inhalte können importiert und exportiert werden. Zum Anzeigen oder Bearbeiten von H5P-Inhalten wird lediglich ein Webbrowser benötigt. H5P-Inhaltstypen und -Anwendungen werden auf H5P.org geteilt. Sie können auf jeder H5P-fähigen Website wie H5P.com oder Ihrer eigenen Drupal- oder WordPress-Website, mit installiertem H5P-Plug-in, erstellt werden.[2]

Kostenlos zu verwenden

H5P ist eine völlig kostenlose und offene Technologie, lizenziert mit der MIT-Lizenz.  Demos/Downloads, Anleitungen und Dokumentationen sind für Benutzer verfügbar, die der Community beitreten möchten.[2]

 Vorteile von H5P

  • H5P ist kostenlos verfügbar
  • H5P ist eine Open-Source-Software und ein Community-Projekt, – jeder kann mitmachen
  • Keine Programmierkenntnisse notwendig – dank des intuitiven H5P-Editors und der zahlreichen Anleitungen auf H5P.org ist das Erstellen von interaktiven Inhalten kinderleicht
  • Mehr als 40 Inhaltstypen – und es werden ständig mehr
  • H5P Inhalte können mit anderen geteilt und wiederverwendet werden
  • Responsives Design – Interaktionen passen sich allen Endgeräten an

 Anwendungsmöglichkeiten

Arten der H5P-Einbettung

  1. Die erste Möglichkeit, H5P einzubetten ist, indem man den Inhalt auf H5P.com erstellt und ihn direkt in die gewünschte Seite einbettet oder über einen direkten Link darauf zugreift.
    Dafür wird kein LMS benötigt.[3]
  2. H5P.com ist eine SaaS-Lösung (“Software-as-a-Service”), das sind cloudbasierte Anwendungen, die über den Webbrowser aufgerufen werden können.[4]
    Über LTI („Learning-Tools-Interoperability“) können externe Tools, Inhalte und Aktivitäten, die online verfügbar sind, in LMS eingebunden werden. [5]
    Beispiele dafür sind Moodle LTI Integration, Canvas LTI Integration, Brightspace LTI Integration und Blackboard LTI Integration.
    H5P.com kann mit fast allen LMS und Systemen, die LTI unterstützen, verwendet werden.[3]
  3. Wenn man H5P selbst hosten möchte, ist dies durch die Verwendung kostenfreier Plug-ins möglich. Offizielle Plug-ins liegen für Drupal, WordPress, und Moodle vor.
    Es liegen aber von der Community erstellte Plug-ins für weitere Plattformen vor. [3]

Content Typen[6]

Interaktives Video[c]

Erstellen Sie Verzweigungen, um verschiedene Aufgabentypen in Ihre Videos einbauen können.

Drag-and-drop

Drag-and-drop Aufgaben ermöglichen es, Inhalte miteinander in Verbindung zu setzen.

Multiple-Choice-Aufgaben[d]

Multiple-Choice-Aufgaben sind besonders gut zur Verständnis-Kontrolle geeignet.

Interaktive Grafiken[e]

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Grafiken mit H5P interaktiv zu gestalten. Hier sehen Sie die Gegenüberstellung zweier Bilder.


Viele weitere Anwendungen für H5P und die passenden Anleitungen finden Sie unter „Examples and Downloads“.


H5P in Moodle einfügen

Plug-ins einfügen[7]

Anleitung: Plug-ins in Moodle einfügen[f]

Bildergalerie


Erstellen einer H5P-Aktivität

H5P in Moodle

Achtung, dies ist nur möglich, wenn Sie als Administrator oder als Benutzer angemeldet sind, denn zum Erstellen einer H5P-Aktivität müssen Sie die Berechtigung in dem entsprechenden Kurs haben.

Gehen Sie zu dem Kurs, in den Sie einen H5P-Inhalt hinzufügen möchten. Es sollte sich ein Fenster öffnen, in das Sie Aktivitäten oder Ressourcen hinzufügen können. Dort klicken Sie auf den Plus-Button. Es öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem Sie Aktivitäten oder Ressourcen hinzufügen können. Dort klicken Sie auf „H5P“ in der Kategorie „interaktiver Inhalt“ und fügen diese hinzu. Daraufhin müssen Sie einen Inhaltstypen auswählen, um den H5P-Hub zu öffnen. Sobald sich dieser öffnet, können Sie aus mehreren Inhaltstypen entscheiden, welchen Sie einbauen möchten. Nachdem Sie sich einen ausgesucht haben, rufen Sie ihn auf, wodurch Sie auf die Detailseite des Inhaltstypen gelangen. Dort können Sie die Einzelheiten zu beliebigen Inhaltstypen nachlesen.

Um einen Inhaltstypen zu installieren, müssen Sie rechts daneben auf „Installieren“ klicken. Sobald der Inhaltstyp installiert ist, ist er bereit, eingesetzt zu werden. Sobald Sie nun auf „Verwenden“ klicken, öffnet sich direkt der Editor. Wenn Updates zur Verfügung stehen, werden Sie darüber informiert.

Im H5P-Hub können Sie vorhandene H5P-Inhalte hochladen. Klicken Sie dazu oben auf die Registerkarte „Hochladen“. Sie müssen dann nur noch den Vorgang beenden und Ihre Aktivitäten abspeichern.[7]


Zusammenfassend kann man sagen, dass H5P eine cloudbasierte Anwendung ist, die durch entsprechende Plug-ins in verschiedensten Webseiten integriert werden kann. Dazu zählen auch LMS („Lern-Management-Systeme“).

Lehrende können interaktive Videos, Präsentationen, Spiele und mehr verwenden, um Inhalte zu vermitteln oder übersichtlich darzustellen.  


Literaturverzeichnis

[1] Ravalli, Paulo (2021): Apps für Fachexperten: Betriebliches Lernen mit H5P. Online unter https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s43443-021-0316-6.pdf [Abruf am 31.01.2022]

[2] H5P: Erstellen, teilen und verwenden Sie interaktive HTML5-Inhalte in Ihrem Browser. Online unter https://h5p.org/ [Abruf am 31.01.2022]

[3] H5P (2022): Integrations. Online unter https://h5p.org/integrations#integrations [Abruf am 31.01.2022]

[4] Beyer, Jakob (2022): SaaS – die anwenderfreundliche Ebene des Cloud-Computings. Zuletzt aktualisiert am 08.04.2019. Online unter https://www.bilendo.de/library/saas-loesung-definition [Abruf am 31.01.2022]

[5] Verdaguer, Júlia (2021): Was ist LTI und wie kann es Ihr Lernökosystem verbessern? Zuletzt aktualisiert am 17.02.2021. Online unter https://moodle.com/de/news/was-ist-lti-und-wie-es-kann-ihr-lern-okosystem-verbessern/ [Abruf am 31.01.2022]

[6] H5P: Examples and Downloads. Online unter https://h5p.org/content-types-and-applications [Abruf am 31.01.2022]

[7] H5P: Set up H5P for Moodle. Online unter https://h5p.org/moodle [Abruf am 31.01.2022]

Bilderquellen

[Beitragsbild] https://eabyas.com/wp-content/uploads/2019/11/H5P-integration.jpg [Abruf am 31.01.2022]

[b] https://d2be3atgmh2lyq.cloudfront.net/wp-content/uploads/2020/07/h5p-hero-image.png [Abruf am 31.01.2022]

[c] https://elements.envato.com/de/asian-working-businesswoman-talk-to-colleagues-tea-BG5CB9U [Abruf am 31.01.2022]

[d] https://www.pexels.com/de-de/foto/selektive-fokusfotografie-von-octopus-3046629/ [Abruf am 20.02.2022] [e] https://www.pexels.com/de-de/foto/architektur-bau-bekannt-beruhmt-149419/ und https://www.pexels.com/de-de/foto/eiffelturm-wahrend-der-nacht-3879071/ [Abruf am 20.02.2022]

[f] https://h5p.org/moodle [Abruf am 31.01.2022]

Die Zukunft des OPACs

Autorinnen: Anke Engelke und Anna-Lena Lächelt


Inhalt

Entstehung des OPACs

Ein klassischer hölzerner Zettelkatalog mit dutzenden kleinen Schubladen

Ursprünglich wurden Bibliotheksbestände in Zettelkatalogen verzeichnet. Ein Zettelkatalog bestand aus vielen Katalogkarten (oder Zetteln), wobei auf jedem Zettel genau eine der in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Publikationen verzeichnet wurde. Die Zettel wurden üblicherweise in extra dafür angefertigten Katalogkästen nach dem Alphabet geordnet aufbewahrt. Meist wurden mehrere Zettelkataloge geführt, die nach verschiedenen Kriterien (Verfassernamen, Themen, Titel der Publikation) geordnet waren. Diese benötigen aber viel Platz und die Recherchemöglichkeiten sind limitiert – in der Regel sind Zettelkataloge nach dem Nachnamen der Autoren aufgestellt, manchmal auch unter dem Titel des Werks.
Ist beides nicht bekannt, kommen Bibliotheksnutzende schnell an ihre Grenzen und werden im schlechtesten Fall gar nicht fündig.

Deshalb entstanden in den späten 1970ern die ersten digitalen Kataloge in Bibliotheken, vorrangig an solchen mit wissenschaftlichem Schwerpunkt, und legten den Grundstein für den modernen OPAC.1

Was ist eigentlich ein OPAC? 

OPAC steht für "Online Public Access Catalogue". Es ist ein international genutzter Begriff, der Online-Kataloge von Bibliotheken bezeichnet.2

Aber auch die ersten digitalen Kataloge bestachen noch nicht durch eine große Auswahl an Sucheinstiegen oder Komfortfunktionen, über die heutige OPACs verfügen. Im Laufe der Zeit wurden bekannte Funktionen wie Trunkierungen etabliert, die inzwischen als selbstverständlich gelten. An eine erweiterte bzw. Expertensuche, die es ermöglicht, exakt nach dem Erscheinungsjahr, der Sprache oder dem Verlag des gewünschten Titels zu suchen, war beim Gebrauch eines Zettelkatalogs nicht zu denken. Zudem erleichterten diverse Anzeigemöglichkeiten wie eine Sortierung nach Erscheinungsdatum oder Relevanz die Recherche.3

Anfangs gestaltete sich die Etablierung des OPACs als schwierig, da sie eine gravierende Umstellung für Bibliothekspersonal und -nutzende bedeutete. Die gesamte Herangehensweise musste geändert werden, um das Gewünschte erfolgreich recherchieren zu können. Manche Bibliotheken hielten ihren OPAC unter Verschluss, sodass er nur für das Personal nutzbar war.
Das Übertragen der Daten aus dem Zettelkatalog in ein digitales Format war zeitaufwendig. Manche Bibliotheken übertrugen deshalb keine Altbestände, nutzen den OPAC nur für die Suche nach neuen Medien und parallel den Zettelkatalog, um nach älteren Beständen zu recherchieren.4

Vor der Verbreitung des Internets waren OPACs nur vor Ort in den jeweiligen Bibliotheken nutzbar, seit Mitte der 1990er Jahre können die meisten aber bequem von Zuhause eingesehen werden.5

OPAC-Recherchestationen früher und heute

Usability eines modernen OPACs

Unter Usability versteht man die Gebrauchstauglichkeit von Produkten. Dabei geht es um die Betrachtung, wie effektiv, effizient und zufriedenstellend die Nutzung eines Produktes ist.7 Für den Bereich des Onlinekatalogs liegt momentan das Augenmerk auf dem Angebot der Recherchemöglichkeiten, den Onlineservices im Benutzerkonto und der Barrierefreiheit.

Für die Recherche bieten moderne Onlinekataloge meist verschiedene Recherchewege an. Die von Nutzenden am häufigste verwendete ist die Einfache Suche über einen Suchschlitz, wie er insbesondere durch Google bekannt ist. In einem nächsten Schritt können die Ergebnisse über sogenannte Facetten weiter eingegrenzt werden. Über die erweiterte Suche lassen sich je nach OPAC-Anbieter vor dem Beginn der Suche die Ergebnisse, beispielsweise nach einem Medientyp oder einem Autor, eingrenzen. Eine weitere Möglichkeit ist der Gebrauch von Schlagworten bei der Recherche.

Durch den OPAC können die Nutzenden auf das eigene Benutzerkonto zugreifen und dort verschiedene Services nutzen. So können Nutzende einsehen, welche Medien sie entliehen haben, diese verlängern oder sie bei der Nutzung von E-Medien auch online zurückgeben. Einige OPACs bieten ihren Nutzenden den Service, nicht verfügbare Medien vorzumerken oder sich für angebotene Veranstaltungen anzumelden.

Die Umsetzung der Barrierefreiheit bei der Nutzung eines Onlinekatalogs beschäftigt momentan die meisten Bibliotheken.

Was ist Barrierefreiheit? 

Die barrierefreie Gestaltung von digitalen Angeboten, bedeutet diese auch für Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen uneingeschränkt und eigenständig, bzw. mit Hilfe von Assistenzprodukten, nutzbar zu machen.8

Visionen für die Zukunft

Sowohl wissenschaftliche als auch öffentliche Bibliotheken haben erkannt, dass ein Onlinekatalog ihren Nutzenden einen weitaus größeren Mehrwert bieten kann, als nur eine vielfältigeres Recherchetool zu sein oder den Zugriff auf das eigene Benutzerkonto zu bieten.

Viele Bibliotheken legen den Fokus schon jetzt eher aufs Stöbern als auf das gezielte Suchen. Nutzende sollen nicht zwingend mit einem exakten Titel in die Recherche starten müssen, sondern sich vom Angebot der Bibliothek inspirieren lassen. Dabei helfen z.B. Themen- bzw. Genre-Sucheinstiege, Titel, die dem gerade aufgerufenen ähnlich sind, oder eine Sortierung nach Beliebtheit. Auch Neuerscheinungen oder gerade zurückgegebene Medien können direkt auf der Startseite angepriesen werden.

Bei der Entwicklung von OPACs wird vermehrt Wert darauf gelegt, sie auf Mobilgeräten mindestens genauso funktional und ansprechend benutzbar zu machen wie auf dem klassischen PC oder Laptop. Mobile Endgeräte haben stationäre überholt und sind das beliebtere Mittel der Nutzenden um im Internet zu surfen – und um Recherchen durchzuführen.9

Eine weitere zukunftsweisende Idee ist, Nutzende beim Bestandsaufbau und der Erschaffung inhaltlichem Mehrwerts der Medienbeschreibungen mit einzubeziehen. So können Anschaffungswünsche anonym oder auch personenbezogen über ein Formular geäußert werden. Ein OPAC-Anbieter macht den Nutzenden persönliche Lesevorschläge anhand der Titel die andere Leser auch ausgeliehen haben. Die Nutzenden können Medien mit Sternen bewerten und eigene Rezensionen schreiben.

Youtubevideo zur Gestaltung eines OPACs zur Kundengewinnung

Denkbare Weiterentwicklungen sind Wunschlisten und die Benachrichtigung über neuerworbene Titel aus diesen Listen. Für eine neue Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum in Marbach soll ein digitales Miniaturmodell eines literarischen Gedächtnisspeichers entstehen, der aus verschiedenen Perspektiven erforscht und erfahren werden kann.10

Abschließend lässt sich sagen: Ein OPAC muss einfach und intuitiv zu bedienen sein und eine Suche schnell zum Ziel führen. Gleichzeitig soll er aber auch zum Verweilen und Stöbern einladen und Nutzende auf die vielen verschiedenen Möglichkeiten hinweisen, die die Bibliothek bietet, ohne überladen zu wirken.

Themenverwandte Blogs

Quellen

1Frank, Silke (o.J.): Gestaltung von Benutzeroberflächen und Recherchemöglichkeiten bei OPACs: State of the art und Trends. Berlin: Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Heft 188). S. 9

2vgl. IGI-Global (2022): What is OPAC. Online unter: https://www.igi-global.com/dictionary/social-software-use-public-libraries/21147 [Abruf am 07.03.2022]

3vgl. Störberl, Cornelius (2016): Discovery-System versus OPAC der Herzog August Bibliothek. Eine vergleichende Studie der Recherchefunktionalitäten. Hannover, Hochschule Hannover. S. 4-5

4vgl. Bowman, J. H. (2007): OPACs: the early years, and user reactions. London: University College. Library History, Vol. 23. S. 317-318

5vgl. Klaus Gantert (2016): Bibliothekarisches Grundwissen. 9., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. München: Saur. S. 228.

6vgl. Tiemann, Sarah (2016): Vom klassischen OPAC zum modernen Rechercheportal : Ansätze zur Einführung eines Discovery Systems an der ZHB Lübeck. Berlin: Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Humboldt-Universität. (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft , Bd. 406). S. 16

7vgl. Grünwied, Gertrud (2017): Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter. Handbuch für Entwickler, IT-Spezialisten und Technische Redakteure. Erlangen. Publicis Publishing. S. 11

8vgl. ebenda S. 76

9vgl. Enge, Eric (2021): Mobile vs. Desktop Usage in 2020. Online unter: https://www.perficient.com/insights/research-hub/mobile-vs-desktop-usage [Abruf am 16.03.2022]

10https://blog.dla-marbach.de/2021/02/04/visualisierungen-koennen-eine-neue-sicht-auf-die-katalogdaten-bieten/

Bildquellen

Titelbilder: Zettelkatalog, Bibliothekarin, Computer
Bilder im Text: Hölzerner Zettelkatalog, Früherer OPAC, Moderner OPAC

 

Design Thinking: Volle Kreativität voraus

Beitragsbild Design Thinking

Oder: It’s not about the design, it’s about the thinking!

Autorin: Katharina Kroupa 


„Man kann über Design Thinking noch so viel Positives erzählen, die Arbeitsweise und ihre Wirkung erklären: Um sie wirklich zu verstehen, muss man sie selber hautnah miterlebt haben.“

 Marcel Plaum, VP Terminal Development Fraport

Na, macht dich das neugierig zu erfahren, was Design Thinking ist? Du hast den Begriff nun schon öfter gehört, aber noch keine Idee, was dahinter alles steckt?

Dann bist du hier genau richtig! Ich bringe dir in diesem Beitrag die Innovationsmethode Design Thinking näher. Was dich alles erwartet im Überblick:

 

Grundsätze des Design Thinkings

Stell dir vor, du arbeitest – sagen wir mal – in einer großen Bibliothek. Ihr stellt Nutzer:innen Medien zur Verfügung, bietet diverse Dienstleistungen an und außerdem kann man bei euch auch vor Ort arbeiten. Eure Bibliothek wird als Lernort grundsätzlich gern genutzt, aber ihr merkt, dass es Verbesserungspotenzial gibt. Euer Gebäude ist schon älter, ebenso die Einrichtung und ihr möchtet den Lernraum für eure Nutzer:innen attraktiver gestalten. Und so bildet sich ein Team aus Mitarbeiter:innen, die sich beratschlagen, was einen modernen Lernraum ausmacht. Eine Kollegin schlägt vor, weitere Computer zur Nutzung anzuschaffen, ein anderer ist der Meinung, dass voll ausgestattete Gruppenarbeitsräume her müssen. Und so suchen Bibliotheksmitarbeiter:innen untereinander nach geeigneten Lösungen.

Doch wofür eigentlich? – Na für ein neues Raumkonzept! – Okay…

Aber für wen eigentlich? – Na für die ganzen Benutzer:innen der Bibliothek!

– Ahaaa..! Aber wäre es da nicht sinnvoll, diese Personen erstmal nach ihrer Meinung zu fragen und sie miteinzubeziehen, wenn man doch für genau diese eine Lösung sucht?

Und damit sind wir beim ersten Grundsatz der Design Thinking Methode, der in jeder Phase des Innovationsprozesses zentral ist: Der Mensch als Inspirationsquelle.

Der Gedanke des Design Thinking ist, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung dann richtig gut werden kann, wenn die Bedürfnisse der Zielgruppe richtig ermittelt und bedient werden. Dazu wird diese Zielgruppe aktiv in den Innovationsprozess miteingezogen.[1] Wie das geschieht, erfährst du in weiter unten im Beitrag.

Ein weiterer Grundsatz der Methode ist das Bilden und Zusammenarbeiten innerhalb multidisziplärer Teams. Die Idee hierhinter ist, dass Menschen verschiedener Disziplinen bzw. Fachrichtungen, ihre unterschiedlichen Erfahrungen in den Ideenprozess einbringen und so gemeinsam eine (bessere) Lösung für das Problem finden können. Diversität in Geschlecht, Alter, Fachrichtung ist hier zielführend. Meist bestehen diese Teams aus 4-6 Teilnehmer:innen, den sogenannten Design Thinkers. Noch unerfahrene Teams werden dazu von ein bis zwei Moderator:innen beim Prozess unterstützt.[2]

Die einzelnen Mitglieder multidisziplinärer Teams entwickeln gemeinsam Ideen.
Quelle: giphy

Da bei diesem Zusammenspiel unterschiedlicher Personen schnell das Ziel – nämlich das Finden einer zielgruppenorientierten Lösung – aus den Augen verloren werden kann, ist es wichtig, dabei einem strukturierten Prozess zu folgen.[3] Das bringt uns zum nächsten Inhaltspunkt dieses Beitrags.

Wie läuft der Prozess der Methode ab?

Der Prozess des Design Thinking besteht aus aufeinander folgenden Phasen. Die Phasen bauen aufeinander auf. Erst, wenn eine Phase abgeschlossen ist, kann mit den dabei entstandenen Ergebnissen in der nächsten Phase weitergearbeitet werden.

In allen Phasen ist die Zielgruppe im Fokus. Innerhalb der ersten drei Phasen (Verstehen, Beobachten, Point of View) empathisiert das Team mit der Zielgruppe. Es versucht das zentrale Problem zu verstehen und zu definieren. In den darauffolgenden Phasen (Ideation, Prototyping, Testen) werden Ideen zur Problemlösung gesammelt und konkretisiert. Prototypen werden erstellt und aus Nutzersicht oder von tatsächlichen Nutzer:innen getestet.

Klicke auf die Info-Buttons der verschiedenen Phasen, um Einzelheiten zu erfahren:

Im besten Fall wird dieser Prozess einmal vom Anfang bis zur Entscheidung durchlaufen. Fallen den Testnutzer:innen in der Testphase allerdings Schwachstellen auf oder sie sind in sonst einer Weise nicht zufrieden mit der Lösung, müssen vorherige Phasen wiederholt werden. Beispielsweise werden in der Ideation-Phase dann noch einmal diverse Ideen gesammelt. Daraus werden dann wieder vereinzelte Lösungsansätze ausgewählt, sodass aus diesen nachfolgend ein Protoyp entwickelt wird. Oder die testende Zielgruppe fühlt sich insgesamt noch nicht ausreichend verstanden. Dann beginnt der Prozess erneut beim Verstehen.[4]

Das wird so lange wiederholt bis sich das Team Schritt für Schritt der idealen Lösung angenähert hat. Diesen Vorgang nennt man Iteration. Demnach wird der Prozess des Design Thinking auch als iterativer Prozess bezeichnet.[5]

Welche Voraussetzungen und Tools unterstützen den Innovationsprozess?

Aus dem vorherigen Abschnitt kennst du nun die einzelnen Phasen des Design Thinking Prozesses. Aber wie oder wodurch kann dieser Prozess unterstützt werden? Und wie fördert man die Kreativität am besten?

Die folgenden Abschnitte geben Einblick über die Voraussetzungen für einen gelungenen Innovationsprozess sowie Beispiele für nutzbare Tools zur Kreativitätsförderung[6]:

Wieso sich Design Thinking in jedem Lebensbereich lohnt

Die Methode findet Anwendung in verschiedenen Bereichen und zu verschiedenen Themen. Beispielhaft werden nachfolgend ihr Nutzen und ihre Anwendbarkeit in einer Tabelle dargstellt:

Nutzen Anwendbarkeit
nachhaltige Teamentwicklung Aufbau von Kundenverständnis
effizientere Innovationsprozesse durch schnelles Feedback Gestaltung neuer Produkte und Dienstleistungen
Kundenloyalität steigern durch Integration Optimierung von Organisationsprozessen
geringe Kosten Erstellen von Marketingkampagnen
Tabelle: Nutzen und Anwendbarkeit von Design Thinking

Als Innovationsmethode definiert sich Design Thinking unter anderem über seine Anwender:innen. Da diese und ihre Probleme sehr unterschiedlich sein können, eignet sie sich für das Finden von Lösung in jedem Lebens(Problem-)bereich.

Wie Bosch Design Thinking für User Experience nutzt

Auch bekannte Firmen nutzen mittlerweile die Design Thinking Technik zur Lösung verschiedenster Probleme oder zur Entwicklung neuer Produkte.

Eine davon ist Bosch. Das Unternehmen nutzt die Technik für eine enge Zusammenarbeit mit ihrer Zielgruppe. Im nachfolgenden Video geben Bosch-Mitarbeiter Einblick darin, wie die Methode in der Firma umgesetzt wird.

Youtube-Video: Design-Thinking bei Bosch – Zwischen Post-Its, Lego und Fritz-Kola[7]

FazitIts’s not about the design

it’s about the thinking!

Die Angst vor Fehlern bringt Menschen dazu, die Risiken im Fokus zu haben – nicht die Möglichkeiten!

Aber aus Fehlern lernt man. Design Thinking gibt den Raum für diese offene Denkweise in einem geführten Prozess. Jeder Prozess-Teil führt zu klaren Ergebnissen, mit denen der nächste Prozess-Schritt beginnt.

Obwohl jede Design Thinking Aktivität darauf ausgerichtet ist, die Erfahrungen der Mitmenschen zu verstehen, verändert sie auch die Erfahrungen und Denkweisen der Innovatoren.


Quellen:

DGO (2017): Der Design Thinking Prozess. In 6 Schritten zum Produkt. Online unter: https://blog.dgq.de/der-design-thinking-prozess-in-6-schritten-zum-produkt/ [Abruf am 31.01.2021]

FAZ (2018): Design-Thinking bei Bosch: Zwischen Post-Its, Lego und Fritz-Kola. Youtube. Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=F184mC8K2HI&feature=youtu.be

Kreutzer, Ralf T. (2018): Toolbox für Marketing und Management. Kreativkonzepte, Analysewerkzeuge, Prognoseinstrumente. Berlin: Springer. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-21881-2

Plattner, H.; Meinel, C. u. Weinberg, U. (2009): Design Thinking. Innovation lernen, Ideenwelten öffnen. München: mi.

Schallmo, Daniel (2017): Design Thinking erfolgreich anwenden. So entwickeln Sie in 7 Phasen kundenorientierte Produkte und Dienstleistungen. Wiesbaden: Springer Gabler. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-12523-3


Dieser Beitrag ist im Studiengang Informationsmanagement an der Hochschule Hannover im Rahmen des Kurses Content Management (Wintersemester 2020/21, Prof. Dr.-Ing. Steinberg) entstanden. Die besten Beiträge stellen wir Euch hier in den nächsten Wochen nach und nach vor.

DOI: Ein digitaler Objektidentifizierer

Beitragsbild DOI

Autorin: Sabine Volkmer


In diesem Beitrag geht es hauptsächlich um die Frage:
Was ist ein digitaler Objektidentifizierer und wozu ist er gut?

Inhalt:

Offenbar muss heutzutage fast alles mit Hilfe einer Identifikationsnummer zugeordnet werden. Selbst der Mensch. Jeder kennt z. B. mehr oder weniger auswendig seine eigene, ihm individuell zugewiesene Steuer-, Matrikel- oder Personalausweisnummer. Im Bibliothekswesen und im speziellen bei den Büchern nennt sich diese ISBN (International Standard Book Number) und bei den Zeitschriften ISSN (International Standard Serial Number). Jeder, der sich auch nur sporadisch in Bibliotheken aufhält, hat diese gesehen. Jedoch weiß keiner so genau wie der DOI aufgebaut ist. Der DOI – ausgeschrieben als digitaler Objektidentifizierer verhält sich ähnlich wie eine ISBN/ISSN, weil er statt einem Buch oder einer Zeitschrift ein digitales Objekt eindeutig identifiziert.

Dieser Blogbeitrag handelt von der Geburtsstätte der DOI in den Registrierungsagenturen bis zum Zielobjekt – dem digitalen Objekt. Die drei Buchstaben „D-O-I“ stehen für „Digital Object Identifier“ (Digitaler Objektidentifizierer). Diese Identifikationsnummer gehört jeweils zu einem digitalen Objekt. Dies können u.a. Texte oder digitale Forschungsdaten sein. Aber wozu ist eine Zuordnung überhaupt nötig und warum werden DOIs für das wissenschaftliche Arbeiten so dringend gebraucht?

Studierende wissen, dass alle von ihm zitierten Stellen sich auch im Literaturverzeichnis wieder gefunden werden müssen. Da im wissenschaftlichen Bereich dauerhafte Zitatensicherheit gefordert ist und DOIs sich nicht wie URLs verändern, werden diese anstelle von URLs für Literaturverzeichnisse gemeinhin empfohlen. So können Belege auch nach Jahren überprüft werden, weil auf digitale Objekte nachhaltig und eindeutig zugegriffen werden kann. Jedoch ist dies nicht immer der Fall. So gesehen wird eine DOI für die Identifizierung von physischen, digitalen oder anderen Objekten benutzt und führt den Nutzer direkt zum endgültigen Speicherort des bezeichneten Objektes.

DOI-Vergabe

Es haben jedoch noch nicht alle akademischen Texte eine DOI Nummer auch erhalten und erst seit dem Jahre 2000 werden DOIs für Onlineartikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften vergeben.[1]EBooks haben ebenfalls in den meisten Fällen eine DOI. Auch verwenden viele wissenschaftliche Verlage DOIs zur persistenten Adressierung ihrer Artikel.[2] Persistenz bedeutet in diesem Fall, dass das digitale Objekt überall wiedergefunden werden kann. Doch wie werden diese nun vergeben? Wird da gewürfelt oder einfach wilde Zahlenreihen ausgelost?

Die Vergabe von DOIs werden von einer amerikanischen Non-Profit-Gesellschaft betrieben. Inzwischen beträgt die Zahl der vergebenen DOIs mehrere Millionen. Die oberste Organisation der DOI ist die „International DOI Foundation“ (IDF). Diese vergibt Lizenzen an über 10 weltweite DOI-Registrierungsagenturen, von denen DOIs erworben werden können. Die wichtigsten Hauptagenturen sind: „Crossref“, „mEDRA“, „Datacite“ (scientific data sets). Von „DataCite“ wird der DOI-Registrierungsservice für Forschungsdaten zur Verfügung gestellt.[3] Die Verteilung der DOIs erfolgt ausschließlich durch die DOI-Registrierungsagenturen, die eine Lizenz von der IDF erworben haben. Somit kann sichergestellt werden, dass Standards von der IDF, eingehalten werden.

Innovation in Bibliotheken: Deichman Bibliothek Oslo

Beitragsbild Innovation in Bibliotheken

Autorin: Merle Stegemeyer


“Wir leben in einer postdigitalen Situation. Die Leute wollen sich wieder real begegnen, öffentliche Räume werden wieder wichtiger.”[4]

– Reinert Mithassel, Leiter der Biblio Tøyen

Reinert Mithassel, Leiter der Biblio Tøyen in Oslo, spricht damit wohl nicht nur die andauernde Corona Pandemie an, sondern äußert den Wunsch vieler Menschen ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen wieder näher zu kommen. Auch wenn die Corona Pandemie uns sicherlich in Hinblick auf Digitalisierung in (Hoch-) Schulen und am Arbeitsplatz große Schritte nach vorn gebracht hat, vermissen und beklagen wir doch, wie sehr uns die sozialen Kontakte fehlen.

Wie aber kann öffentlicher Raum so gestaltet werden, dass Menschen hier Zeit verbringen wollen? Es sind dabei insbesondere die Biblio Tøyen und die 2020 neu eröffnete Bjørvika Bibliothek zu nennen. Sie zeigen uns zwei zukunftsweisende Wege wie das Bibliothekswesen aussehen kann.

Deichman Biblio Tøyen

Die eigentlich in einem Problemviertel liegende Jugendbibliothek Biblio Tøyen steht dem Neubau im entstehenden neuen Kulturhafen Oslos in nichts nach. In Zusammenarbeit mit jungen Osloern und dem niederländischen Architekten/Creative Guide Aat Vos wurde die Bibliothek neu eingerichtet und umgestaltet.[11] Die Idee hinter der Umgestaltung bestand darin, ein Kulturhaus zu schaffen, das Jugendlichen ihren Bezug zur Realität nicht verlieren lässt. Denn durch die immer schneller werdenden Modernisierungen und die rasante Entwicklung der Gesellschaft kann ein solcher öffentlicher Rückzugsort für Jugendliche einen Ankerplatz bieten.[11]

So entstanden in alten, ausrangierten Kleinlastern und Seilbahnkabinen kleine Oasen der Ruhe und Orte zum Lesen. Ebenso Nester aus Kissen oder umfunktionierte Schubkarren dienen als Plätze zum Entspannen oder zum Lesen. Des Weiteren verleihen die vielen schwebende Elemente diesem Ort eine unglaubliche Leichtigkeit.[8][11]

Eltern und Erwachsenen ist der Zugang ausdrücklich nicht erlaubt, sodass die 10- bis 15-Jährigen hier ihre ganz eigenen Erfahrungen mit ihrer Freiheit, Umgebung und eben den Büchern machen können. Diese dadurch entstehende Wohnzimmeratmosphäre dient der Inspiration und lässt seine jugendlichen Besucher viel Freiraum. Dies wird zudem dadurch unterstützt, dass die Räumlichkeiten der Biblio Tøyen auch ohne Bibliothekspersonal zugänglich sind. [8]

Begib Dich auf einen kleinen Rundgang durch die Biblio Tøyen.[6]